Stadtbild: Schutz der Piratsphäre

Berlin - So langsam wird klarer, dass mit den Piraten nicht nur ein lustig anzuschauendes Trüppchen im Abgeordnetenhaus sitzt (Latzhose! Kopftuch! Schlips am Handgelenk!), sondern auch die Repräsentation eines in der Tat neuen Kommunikationsstils. Man mag manchen Inhalt noch schwächlich finden, manchen Vortrag ungenügend, manche Forderung wohlfeil. Es ist aber doch ein großer Unterschied, ob Themen, Thesen und Temperamente stets in aller Öffentlichkeit zu verfolgen sind oder - wie bei der herkömmlichen Methodik anderer Parteien, bis vor kurzem auch der Grünen - vorzugsweise nur das nette Ergebnis präsentiert wird.

So ist es zweifellos diskutabel, ob Abgeordnete ihre Beziehungspartner, vulgo Freund oder Freundin, als persönliche Mitarbeiter anstellen sollten. Zwei Piraten haben dies getan, aber sie haben sich dabei nicht etwa ertappen lassen, sondern in Diskussionen festgestellt, dass dies möglicherweise nicht in Ordnung ist. Nun wird das Thema lang und breit erörtert, im Internet, in aller Öffentlichkeit (jedenfalls für Internetnutzer). Beide Piraten kommen dabei auch noch zu unterschiedlichen Schlüssen. Warum, wann, mit welchen Argumenten, ist bis ins letzte Detail nachzulesen.

Diese Form von Transparenz wird zur Botschaft an die Wähler: Seht her und entscheidet selbst, was ihr davon haltet - inklusive aller Widersprüchlichkeit, aller Streitereien, aller Fehler und der Gefahr von Missverständnissen. Die Piraten nehmen sich heraus, mit vollem Risiko offen zu kommunizieren. Das strahlt eine unerhörte Befreitheit aus. Solange sie das durchhalten, haben es im Übrigen auch die herkömmlichen Medien schwer. Denn es gibt vorerst keine Geheimnisse zu enthüllen, sondern allenfalls Debatten zu dokumentieren.