Die Freude ist am größten, wenn man die Hoffnung längst aufgegeben hatte. Wer sich an ein Übel gewöhnt hat und plötzlich ist alles wieder gut, kann das wie ein Geschenk empfinden. Wie ein kleines Berliner Wunder.
Es geht um den S-Bahnhof Friedrichstraße. Die wenigsten der rund 200 000 Fahrgäste, die dort täglich umsteigen, dürften noch daran geglaubt haben, dass die beiden kaputten Rolltreppen am Bahnsteig der Nord-Süd-Verbindung irgendwann wieder benutzbar sein würden. Fast das ganze Jahr über waren sie abgesperrt, immer wieder wurde der auf zwei lieblosen Plakaten angekündigte Eröffnungstermin verschoben. Seit Montag rollt sie nun wieder aufwärts – und am nächsten Dienstag soll es auch abwärts gehen, verspricht die Bahn.
Die ausführende Baufirma verspricht sogar noch mehr, nämlich dass die Fahrtreppen auf Dauer intakt bleiben. Die alte, störanfällige Anlage eines französischen Herstellers wurde durch eine komlett neue Anlage des Berliner Unternehmens Schindler ersetzt. „Die wird jetzt laufen“, sagt ein Verantwortlicher zuversichtlich. Sie sei robust und modern.

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Auch warum der Umbau so langwierig war, kann die Firma erklären. Die zehn Tonnen schweren Rolltreppen hätten mühsam in Einzelteile zerlegt, nachts zwischen zwei und vier Uhr über die Gleise abtransportiert und die neuen auf die gleiche Art eingebaut werden müssen. Außerdem hätten die Treppen wenig Platz und einen ungewöhnlich hohen Neigungswinkel.

Das alles klingt, als habe die Bahn eine weltweit einmalige, hochkomplexe, schwer zu planende und auszuführende Brandschutzanlage konstruiert. Die Chefs sollten für nächsten Dienstag auf dem Bahnhof Friedrichstraße zu einer Eröffnungsfeier einladen. Schon um zu zeigen, dass in Berlin noch Wunder geschehen.