Herr Ehrhart Körting hatte es noch leicht, so als Mann. Der ehemalige Innensenator, Sozialdemokrat und leidenschaftliche Kulturbrückenbauer konnte ohne weitere Umstände islamische Gotteshäuser besuchen. Und tat dies auch regelmäßig, vermutlich öfter als alle anderen Senatsmitglieder zusammen. Einfach Schuhe aus und rein in die Pracht – etwa in die fast schon kitschig-schöne Sehitlik-Moschee am Columbiadamm, Berlins größte, bekannteste und dabei äußerst gastfreundliche Moschee.

Frau Dilek Kolat, ebenfalls SPD, weltlich orientierte Muslimin und Arbeits-, Integrations- sowie Frauensenatorin, hat es da schon schwerer, so als Frau. Sie wird heute mit ein paar männlichen Begleitern am Freitagsgebet in der Sehitlik-Moschee teilnehmen, aus Solidarität mit dem Haus, dessen Vorstandschef kürzlich einen widerlichen Drohbrief erhielt. Ein gutes, spontanes Signal der Senatorin gegen rechtsextreme Umtriebe.

Aber: Pumps aus und rein in die Pracht, analog zu Körting, das läuft nicht. Es war gestern zwar nicht mehr jedes Detail des Ablaufs zu erfahren, doch fest steht, dass Frau Senatorin, protokollarisch ranghöchster Gast am Ort, aus Gendergründen nicht etwa im überaus prächtigen Kuppelsaal beten werde, sondern im deutlich schlichteren und vergleichsweise winzigen Gebetsraum für Frauen nebenan.

Erst nach dem Gottesdienst der Herren treffen sich Senatsdelegation und Moscheevertreter im Galeriegeschoss unter der Kuppel, wo auch Frauen Zutritt haben. Hm!! Nun ist ein Tag der Solidarität nicht gleich ein Tag, an dem man unbedingt Geschlechtergerechtigkeit diskutieren muss. Aber nett wäre es doch, wenn Frau Frauensenatorin jetzt öfter beten ginge. Um die Untiefen im interkulturellen Spannungsfeld auszuloten.