Berlin - Da waren sie wieder: Gruppen junger Männer mit Bollerwagen und Bierkisten, die schon mittags mit glasigem Blick und schweren Zungen in S- und U-Bahn sitzen. Ältere Herren mit geröteten Gesichtern und Alkoholatem, die hinaus ins Grüne ziehen. Sie begingen das, was der Ostler Herrentag und der Westler Vatertag nennt. Was aber im Prinzip aufs selbe hinausläuft: zu viel Promille pro Person. Da mag das Statistische Bundesamt melden, dass zu Himmelfahrt die Zahl der alkoholbedingten Unfälle dreimal so hoch ist wie an anderen Tagen: Die Sauf-Tradition hat Bestand.

Oder doch nicht? Es waren auch viele Männer unterwegs, die nicht zu tief ins Glas blicken wollten. Man traf zum Beispiel viele junge Väter, die mit ihren Kindern einen Ausflug machten. Es gibt Anlass zur Hoffnung: Traditionen ändern sich – langsam, aber stetig.

Manchmal ist dafür allerdings auch behördliche Nachhilfe angebracht. So wie am Schlachtensee. Dort hat sich in der Vergangenheit der Bierkistenlauf am Vatertag als Tradition für trinkfeste Männer-Trupps etabliert. Das Prinzip: Teams laufen mit einem vollen Bierkasten um den See. Wer nach 5,5 Kilometern als erster im Ziel ist und unterwegs alle Flaschen leer getrunken hat, gewinnt.

Abfallberge, Urin, Erbrochenes

Die Hinterlassenschaften waren entsprechend: Abfallberge, Urin, Erbrochenes. Als das Bezirksamt im vorigen Jahr erstmals das Sauf-Lauf-Event verbot, musste die Polizei Tausende Männer daran hindern, zum Ufer zu laufen. Die Feierwütigen fanden das gar nicht lustig. Es flogen Bierflaschen und hagelte Beschimpfungen. Die Polizei sprach 2000 Platzverweise aus.

Dieses Mal blieb alles friedlich. Still ruhte der See. Jogger und Hundebesitzer konnten ungestört ihre Runden drehen. Die Polizei, die ab neun Uhr morgens am S-Bahnhof präsent war, sprach Feierlustige an. 100 Platzverweise wurden bis zum späten Nachmittag erteilt.

Ein Grund für dieses vergleichsweise gute Ergebnis ist, dass der Bezirk dieses Mal das Verbot vorab groß publik gemacht hat. Und daher nur wenige Bierkistenläufer kamen. Woraus man schließen könnte: Selbst feierwütige Männer sind lernfähig. Für einen Herren-/Vatertag keine schlechte Nachricht.