Es gibt Fragen, die sollte man Eltern von Sechstklässlern zurzeit besser nicht stellen. Etwa: Auf welche Oberschule schickt ihr euer Kind? Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass die Antwort eine endlose Klage über das Berliner Schulsystem, ein Wutanfall oder ein veritabler Nervenzusammenbruch ist.
Für viele Eltern bedeutet die Suche nach der richtigen Oberschule für ihr Kind Stress pur. Wochenlang klappern sie Infoveranstaltungen von Gymnasien und Sekundarschulen ab. Immer auf der Suche nach einer Schule, die ihren Vorstellungen und auch denen ihres Kindes am ehesten gerecht wird. Haben sie die passende Schule gefunden, geht der Nervenkrieg oft erst richtig los. Gibt es mehr Bewerber als Plätze, kommt es auf Notendurchschnitt, Tests und Losglück an. All dies gilt es bei der Wahl der Wunschschule einzukalkulieren. Dann gibt man seine Anmeldung bei der Wunschschule ab – und hofft und hofft und hofft.

Ummeldungen in letzter Minute

Dass sie keinen Einblick ins weitere Verfahren haben, ärgert viele Eltern. Sie fordern daher „mehr Transparenz“. Man könnte beispielsweise die Zahl der Anmeldungen an einer Schule doch schon vor Ablauf der Frist veröffentlichen, heißt es. Dann könnte man auch das noch bei der Schulwahl berücksichtigen.

Das mag sein. Angesichts so manchen Gerüchts über angeblich super-nachgefragte Schulen, die in der Elternschaft kursieren, könnten solche Wasserstandsmeldungen sogar ganz hilfreich sein. Die Folge wären allerdings zahlreiche An- und Ummeldungen in letzter Minute.

Eine dauerhafte Lösung ist dies nicht. Um den Stress bei der Oberschulwahl zu mildern, hilft nur eines: Weniger nachgefragte Schulen müssen attraktiver werden. Sie müssen die Eltern überzeugen, dass ihr Kind bei ihnen gut aufgehoben ist. Dann – und nur dann – werden sich die Anmeldungen gleichmäßiger auf die Schulen verteilen.