Es ist immer einfach, auf Volksvertreter zu schimpfen, weil sich das Klischee vom Wein saufenden und Wasser predigenden Politiker eingebrannt hat wie ein vergessenes Bügeleisen ins Flanellhemd. Das Klischee ist dennoch falsch. Es gibt manch faulen Hinterbänkler, sicher, aber nicht mehr als es Blaumacher überall gibt. Sie sind die Ausnahme und zu vernachlässigen.

Parlamentarier, nicht nur die der Opposition, sollen die Regierung kontrollieren. Das heißt: Deren Politik analysieren, kritische Fragen stellen, Gegenkonzepte entwerfen, Unstimmigkeiten aufspießen, Schlampereien enthüllen. Und sie sollen das Volk vertreten. Das heißt: ansprechbar sein, den Bürgern zuhören, ihre Sorgen weitertragen, Lösungen suchen. Das alles kostet sehr viel Zeit, auch bei sogenannten Teilzeitparlamentariern regelmäßig 50 bis 60 Stunden in der Woche. Und es kostet Geld, denn Recherchen, Analysen, Konzepte, aber auch Räume, Papier, Computer und Mitarbeiter kosten Geld. Das ist der Preis für die repräsentative Demokratie.

Dieser Preis ist nötig, denn wer die Regierung demokratisch kontrollieren soll, der braucht Ressourcen, um gegen Tausende von Experten in den Verwaltungen zu bestehen. Deshalb ist der Plan der fünf Fraktionen im Abgeordnetenhaus, mit neuen Wahlkreisbüros zugleich kritische Kompetenz und Bürgernähe zu stärken, erst einmal richtig. Es geht dabei nicht um mehr Geld in der privaten Tasche der Politiker, sondern um bessere Arbeit für den Bürger.

Der Plan wird auch nicht dadurch falsch, wenn an anderen Stellen im Etat gespart wird. Allerdings muss es zueinander passen. Wer etwa den Beamten in Berlin, die bis zu zehn Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt verdienen, nur 2,5 Prozent mehr gibt, kann sich nicht zugleich die Diät um zehn Prozent erhöhen. Dieser Teil des Plans gehört verworfen.