Stadtbild: Von Bernau lernen

Berlin - Schauen wir mal nach Bernau, Brandenburg. Die Stadt liegt bei Berlin. Zehn Minuten fährt die Regionalbahn von Gesundbrunnen bis Bahnhof Bernau. Dort entsteht zurzeit Brandenburgs erstes Parkhaus für Fahrräder. Auf drei Etagen ist Platz für 600 Räder. 1,7 Millionen Euro kostet der Bau, das Geld teilen sich die Stadt und das Land. Die Radfahrer zahlen nichts. Super!

Schauen wir mal zum Alex, Berlin. Oder zur Friedrichstraße und zu etlichen anderen Bahnhöfen der Stadt. Überall stehen Räder, kein Platz ist mehr frei, man sucht ewig eine geeignete Stelle zum Anschließen. Furchtbar!

Der Pankower Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens Holger-Kirchner (Grüne), will das Bernauer Pilotprojekt nun auch in Berlin ermöglichen. Er sagt, es müsse sichere und ausreichende Parkplätze für Räder geben, das gehöre zur Infrastruktur einer modernen Fahrradstadt wie Berlin. Recht hat er! Man muss sich nur mal den chaotischen Fahrrad-Fuhrpark an der Schönhauser Allee anschauen.

Der Senat hat bereits intern mit den Planungen für Fahrrad-Parkhäuser begonnen. Das wird auch Zeit. Denn oft finden Radfahrer erst im Umkreis von hundert Metern einen sicheren Abstellplatz am Bahnhof. Wer in Eile ist, den nervt das Hin- und Her-Gehetze. Und manche kennen den Frust, wenn sie ihr Rad demoliert und mit verbogenen Rädern wiederfinden, weil es jemand umgestoßen oder fallengelassen hat. Vom Wetterschutz mal ganz zu schweigen. Räder, die im Regen stehen müssen, rosten nun mal.

Radfahrer haben ein Recht darauf, ausreichende, sichere und wettergeschützte Abstellflächen in der Stadt zu finden. Sie fahren umweltfreundlich und abgaslos durch die Stadt, sie nutzen den Nahverkehr. Es gibt sehr viele von ihnen in der Stadt. Das sieht man vor den Bahnhöfen. Was Bernau hinkriegt, das sollte doch auch Berlin packen.