Die Vorstellung hat Charme. Man wacht morgens auf und genießt die fantastische Aussicht. Aus vielleicht 60 Metern Höhe oder 80 oder 100 Metern sieht man auf den Zoo hinab. Der Potsdamer Platz wirkt gang nah, Berlin liegt einem zu Füßen.

Dazu muss man nicht Gast im Luxus-Hotel Waldorf Astoria sein, sondern vielleicht nur Mieter einer Wohnung am Bahnhof Zoo. Zugegeben, die dürfte nicht billig sein. Und die meisten Berliner werden sich die Aussicht mit ein bisschen Wohnung dran nicht leisten können. Aber man wird ja mal träumen dürfen.

Die Wohnungen plant der Architekt Jan Kleihues auf einem vernachlässigten Gebiet an der Hardenbergstraße. Sechs Wohntürme könnten dort entstehen mit gut 800 Wohnungen. Überraschend daran ist nicht etwa die Kühnheit des Vorschlags, mit einem 161 Meter hohen Turm sogar noch höher als am Breitscheidplatz, dem Zentrum der City West, bauen zu wollen.

Keine Denkverbote mehr

Überraschend ist vielmehr, dass Senat und Bezirk nicht sofort ihr Veto einlegen und Nein sagen. Vielmehr betonen sie, dass es keine Denkverbote mehr gibt, dass die Zeit reif ist für neue Debatten über Denkmalschutz und Hochhäuser. Das ist mutig, das ist erfrischend. Das eröffnet die Möglichkeit, Selbstbeschränkungen der Stadtplaner samt kastenförmigen Gebäuden und uniformen, langweiligen Fassaden zu überwinden.

Denkverbote müssen aber in allen Stadtteilen fallen. Friedrichshain hat es mit seinem unkonventionellen Vorgehen an der Spree vorgemacht. Also: Warum hält der Senat am Alexanderplatz an der überholten Hochhausplanung fest? Geht’s dort nicht etwas kleiner? Warum ist in der Europacity am Hauptbahnhof schon wieder alles streng mit Standorten für Türme und Häusern mit 22 Metern Traufhöhe reglementiert? Lasst Architekten etwas Freiheit. Lasst sie Visionen entwickeln.