Kälte, die in den Kragen kriecht. Die Gefahr, verrückt zu werden. Kein Wunder, dass man zum Freak wird. Nein, hier geht es nicht um ein Horrorkabinett oder um eine Geisterbahn. Mit diesen Formulierungen beschreibt der Buchautor Matthias Roth jenes staatliche Unternehmen, das die Berliner Flughäfen betreibt und nicht ganz nebenbei einen neuen Airport namens BER fertigstellen soll. Gemeint ist die heutige Flughafengesellschaft FBB, bei der Roth 2010 und 2011 rund anderthalb Jahre lang gearbeitet hat.

Krachend gescheitert

Natürlich gibt es unzählige Unternehmen, in denen es so zugeht. In denen konstruktive Kritik nur Minuspunkte einbringt, Chefs unnahbar sind und Kommunikation ein Fremdwort ist. So war es zum Beispiel auch bei der S-Bahn, als die vom damaligen Chef Hartmut Mehdorn gesandten Rationalisierer dort ihr Regiment einrichteten. Doch im Fall der Flughafengesellschaft wog diese Form der negativen Firmenkultur besonders schwer. Denn sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Tanker, als den Roth dieses Unternehmen beschreibt, mit vollem Tempo ins Unheil fuhr – und das Projekt BER, auf das eine ganze Region ihre Hoffnungen gerichtet hatte, erst mal krachend scheiterte.

Obwohl sich die Probleme immer weiter türmten und der eine oder andere Mitarbeiter intern darauf aufmerksam machte, wurde nach außen hin der Schein gewahrt und die Öffentlichkeit belogen. Wir schaffen das! Dies war das Mantra, mit dem Skeptiker mundtot gemacht wurden. An diesem Klima der Angst waren aber nicht nur die damaligen Chefs schuld. Es waren Berliner und Brandenburger Politiker, die das Mantra der planmäßigen Flughafen-Eröffnung vorbeteten und ebenfalls keine Zweifel duldeten. Wenn man aus dem BER-Desaster etwas lernen kann, dann dies: Wer keine Kritik, keine Skepsis duldet, begibt sich in Gefahr.