Ungebildet = arm = rassistisch. Das wäre die einfache Antwort darauf, warum die dumpfen Parolen der rechtsextremistischen NPD in den Plattenbauvierteln rund um das umstrittene Flüchtlingsheim in Hellersdorf so zogen, dass die Partei in einem Wahllokal zweistellige Ergebnisse einfahren konnte. Doch so einfach ist die Antwort nicht.

Denn schon in den Vorjahren machten etliche Einwohner in Marzahn-Hellersdorf ihr Kreuz bei den Rechtsextremen, seit 2006 sitzt die NPD im Bezirksparlament. Dass bei der Bundestagswahl die braune Propaganda noch mehr verfing, hängt auch damit zusammen, dass sich immer mehr Menschen dort nicht geschätzt fühlen. Denn in den Wohngebieten um die Carola-Neher-Straße liegt vieles im Argen. Der Boulevard Kastanienallee, früher eine hübsche Einkaufsstraße, vergammelt. Der Supermarkt steht seit 2001 leer, der Drogeriemarkt ebenso. Läden, die in den Erdgeschossen von Wohnhäusern waren, sind geschlossen.

Doch darum hat sich bisher kaum jemand gekümmert. Der Bezirk hat keine Macht über den privaten Eigentümer, der schon mehrfach gewechselt hat. Dem aber scheint das Wort vom Eigentum, das verpflichtet, fremd. Schließlich macht er seinen Profit mit der Vermietung von billigen Wohnungen – und weil es inzwischen zu wenige davon in der Stadt gibt, sind nur noch wenige frei. Was aus dem Kiez wird, kümmert den Vermieter kaum. Und bisher hat sich kaum jemand darüber empört. Auch deshalb haben die Politiker das Problem aus den Augen verloren.

Das dürfte nun anders werden. Denn nach den unsäglichen Protesten gegen das Heim und den NPD-Wahlergebnissen ist der Kiez ins Blickfeld geraten. Wenn sich dort etwas für alle zum Besseren wendet, für die Einwohner ebenso wie für die Flüchtlinge, dürfte den Rechtsextremisten der Nährboden für ihre Hetze entzogen werden.