Stadtbild zu Regierungsfraktionen: Tonnenweise Politik

Von wem stammt folgendes Zitat: „Wir lehnen die zwischen dem Stadtentwicklungssenat und der Firma Duales System GmbH getroffene vertragliche Vereinbarung ab. Wir (...) setzen uns dafür ein, dass der Senat dazu gedrängt wird, die bisherige und bewährte haushaltsnahe Altglasentsorgung wiederherzustellen.“

Klingt klar nach Opposition, die sich gegen die heftig kritisierte Abschaffung der Altglas-Hinterhoftonnen stark macht, stammt aber von CDU-Umweltpolitiker Danny Freymark. Im Bund mit seinem SPD-Kollegen Daniel Buchholz richtete man die Geschütze, und zwar auf den eigenen Senat.
Rumms, Treffer, Umweltsenator Michael Müller (SPD) versenkt. Denn dessen Verwaltung hat in einer undurchsichtigen AG Glas die Abschaffung der Tonnen mit dem Dualen System Deutschland (DSD) ausgehandelt. Erst, als die Zeitungen über die Empörung der Bürger berichteten, bemerkten auch die Fraktionen die Brisanz des Vorgangs.

Nichts hasst der Berliner (Wähler) mehr, als die Änderung alter Gewohnheiten. Deshalb der Eifer bei der Korrektur der Senats-Müllpolitik. Dabei schreckt die SPD nicht vor weiterer Rekommunalisierung zurück. Bei einem Versagen des DSD sei „zu prüfen, ob die Altglassammlung (...) als alternatives kommunales System im Auftrag des Landes Berlin ergänzt wird.“ Das macht die CDU nicht mit. Aber besser das Glasproblem spät bemerkt als gar nicht.

Für die Beseitigung der Hof-Glastonnen spricht derzeit wenig, außer die Kostenersparnis für das finanziell angeschlagene DSD. Es ist aber denkbar, dass das DSD-Argument, die Altglasqualität leide unter der Hinterhofsammlung, auch stimmt. Das Gutachten, das dazu in Arbeit ist, soll methodisch schlecht sein. Noch schlechter wäre es, wenn das Altglas trotz des heftigen koalitionären Wünschens künftig von der Glas-Industrie verschmäht wird. Dann bliebe Berlin auf seinem faktischen und politischen Scherbenhaufen sitzen.