Die ungewöhnliche Ruine in der Oranienburger Straße macht neugierig. So lautet der erste Satz, mit dem der Senat auf seiner Internetseite für das Kunsthaus Tacheles als Sehenswürdigkeit wirbt. Von einer „Heimstätte alternativer Kunst-und Kulturszene“ ist die Rede, von „ungewöhnlichen Veranstaltungen“, die es im früheren Kaufhaus gibt. Das Tacheles solle auch künftig die „Rolle des Rebellen“ spielen, liest man da und wundert sich.

Denn schon seit vergangenem Jahr steht die Touri-Attraktion leer, der Eigentümer hat die Künstler mit lukrativen Geldgaben vom Auszug überzeugt. Die wenigen Verbliebenen, die auf dem Hof weiterarbeiten, sollen bis Jahresmitte verschwunden sein. Dann wird das riesige Tacheles-Gelände zwangsversteigert. Mindestgebot sind 35 Millionen Euro. Und was wird dann aus dem Gelände? Beste Lage, Innenstadt. Man ahnt es.

Doch bei Kulturliebhabern, bei Freunden alternativer Lebensformen und all den Non-Profit-Denkern setzt jetzt der „Man-könnte-doch…“-Reflex ein. Sie sagen, Berlin brauche nicht noch ein neues, schickeres und größeres Einkaufscenter und erst recht keine neue Luxus-Wohnanlage. Man könnte doch Ateliers für Künstler errichten, einen Park, Spielplätze und so weiter.

„Das bunte Sammelsurium aus Kunst und Protestmalerei widersetzt sich statthaft der noblen Aufwertung der Spandauer Vorstadt“, liest man über das Tacheles, wie auch oben erwähnten Eingangssatz, auf der Internetseite des Senats. Wenn sich die Stadt tatsächlich nicht dem marktüblichen Verwertungsdruck profitorientierter Investoren beugen will, müsste sie jetzt auch mal rebellisch sein.

Doch am Ende wird der verschuldeten Stadt selbst bei gutem Willen wieder das fehlen, wovon um Rendite bemühte Anleger gern mehr haben wollen. Geld.