Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Raed Saleh, bearbeitete seinen Kaugummi am Donnerstag besonders kräftig, als die Debatte zu Wowereit und dem Steuerbetrug seines Ex-Staatssekretärs lief. An einer Stelle konnte man es fast schon knacken hören: Als die Opposition spottete, dass der Regierende Bürgermeister ja nur deshalb noch im Amt sei, weil die SPD keinen anderen habe.

Dass den Senatschef nur „die Schwäche seiner Möchtegern-Nachfolger“ auf dem Posten halte, wie der Pirat Höfinghoff sagte. Unfassbar sei es, die Stadt für SPD-Machtkämpfe in Geiselhaft zu nehmen, so die Grüne Pop. Wowereit hat jetzt in einem Interview den Fraktionschef Saleh, den Parteichef Jan Stöß und Senatsmitglieder wie Dilek Kolat oder Michael Müller pauschal für geeignet für höhere Posten erklärt. Für die eigene Nachfolge also.

Irgendwann muss sich aber die eine oder der andere auch trauen und das Risiko eingehen, das eine Kandidatur auf Spitzenämter nun mal mit sich bringt. Die SPD-Oberfunktionäre versuchen sich zurzeit im Kunststück, einen Personalwechsel ohne Machtverlust und ohne Beschädigung des Amtsinhabers hinzukriegen.

Das ist ein verständliches Vorhaben, aber es wird der Tag kommen, an dem nicht mehr zu zaudern, sondern zu springen ist. Wenn Wowereit sich nicht erholt, kommt dieser Tag schneller als geplant. Kaugummikauen und Stimmenzählen reicht dann jedenfalls nicht mehr.

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