Stadtbild zum Internationalen Kampftag der Arbeitslosen: Superhelden der Arbeit

Die Verherrlichung von Arbeit hat der Kapit- mit dem Sozialismus bekanntlich gemeinsam. Unweit des Verlagshauses dieser Zeitung etwa steht ein bronzener Riese mit Bauhelm auf dem Gehweg, dessen starker Arm gen Fernsehturm weist und dessen visionärer Superheldenblick die Botschaft des Arbeiter- und Bauernstaates unmissverständlich ausdrückt: Arbeit ist Glück. Also arbeite, Genosse!

Tja, im Kapitalismus gab und gibt es keine Arbeiterdenkmäler. Man versucht es statt dessen, grob gesagt, andersherum: Nicht die Herrlichkeit der Arbeit wird beschworen (was je nach Job auch kompliziert würde), sondern die Geißel Arbeitslosigkeit. Abstieg! Seelenpein! Arbeitslosigkeit ist Unglück. Also arbeite, Freundchen!

Natürlich gäbe es noch vieles zu sagen. Wir verweisen hier zur Vertiefung etwa auf Aristoteles, Karl Marx, Max Weber, Hannah Arendt und Norbert Blüm. Historisch scheint festzustehen, dass sich das Bangemachen vor (formeller) Arbeitslosigkeit am Ende durchgesetzt hat. Umso umwälzender, wenn auch nicht völlig neu, erscheint daher die Idee eines „Internationalen Kampftags der Arbeitslosen“, wie er nun am Tag nach dem Tag der Arbeit begangen wird, dieses Jahr in Prenzlauer Berg. Das Dolle: Diese Arbeitslosen wollen gar keine Arbeit, jedenfalls keine mit Zwang.

Und sie lachen auch noch dabei! Das ist systemübergreifend subversiv und gehört daher sofort verboten. Ich fordere den Innensenator auf, seine Tausendschaften vom 1. Mai umzulenken – gegen das arbeitsscheue Gesindel vom Prenzlauer Berg, dessen Wohlleben auf dem Rücken der Werktätigen stattfindet! Nicht einmal mehr nach drüben schicken kann man diese Leute! Seite 20en gar keine Arbeit, jedenfalls keine mit Zwang. Und sie lachen auch noch dabei! Jetzt reicht’s aber wirklich, Leute: So nicht – nicht von meinen Steuergeldern! Geht doch nach drüben, wenn ihr hier nichts beitragen wollt! Also wirklich.