Am Wochenende haben wieder Millionen von Menschen in Deutschland und auch in Berlin Tausende von kostbaren, interessanten, komplizierten, schönen Bauten, Gärten und Anlagen besichtigt. Aus dem Tag sind längst Tage der Denkmalpflege geworden. Der Blick nicht nur der Forscher, sondern auch einer allgemeineren Bevölkerung weitet sich immer mehr.

Vor Jahren waren es nur alte Villen, Kirchen, einige Rathäuser und Siedlungen. Inzwischen betrachten wir Fabriken und Schulen, private Einfamilienhäuser, Friedhöfe und Stadtparks, begeistern uns für neugotische Kirchen genauso wie für „Betonkirchen“ der 1960er-Jahre oder das elegant-amerikanische Studentendorf in Schlachtensee aus den 1950ern – was musste mit den Berliner Politikern gekämpft werden, um es zu erhalten, wie stolz wird es heute von diesen als Erfolg vorgeführt.

Dabei zeigt genau dieses Studentendorf, was es braucht, damit Denkmalpflege erfolgreich ist: Ein Denkmalamt, das seine Arbeit tun kann, also entsprechend finanziell und personell ausgestattet wird. Das ist in Berlin aber nicht mehr der Fall, hier können die Mitarbeiter oft kaum noch die Anträge bearbeiten, geschweige denn neue Themen entdecken. Wir brauchen Menschen, die sich engagieren. Aber in Berlin stoßen sie immer wieder, der inzwischen weltweit beachtete Skandal um die Zerstörung der einzigartigen Berliner Straßenbeleuchtung mit Gas zeigt es, an die eisern verteidigten Hoheitsmauern der Verwalter und Politiker.

Wir brauchen also mehr Bürgerbeteiligung – aber nicht, wie es so mancher SPD- oder CDU-Grande meint, um auch noch die schwache Macht des Denkmalamts zu schleifen. Nein, es muss gestärkt werden. Eine nachgebaute Schlossfassade kann allenfalls etwas von den Interessen unserer Zeit erzählen. Ein wirklich altes Haus aber erzählt vom Lauf der Geschichte. Und zwar allen, den schon hier Wohnenden wie den Einwanderern. Wer eine Gesellschaft will, die miteinander lebt und nicht nur nebeneinander, der braucht eine starke Denkmalpflege.