Der Hype um den Supermarkt „Original Unverpackt“, der seine Produkte ohne Verpackungen an Mann und Frau bringt, scheint nicht abzubrechen: Mit leeren Gläsern, Beuteln und Boxen drängen die Berliner und Touristen täglich in den Laden – auch sechs Wochen nach Eröffnung. Ein Erfolgskonzept.

Nachhaltigkeit, Bio, Öko, faire Mode und Handel ist Trend in Berlin und hipp. Man trägt Jutebeutel, ernährt sich vegetarisch oder gleich vegan und achtet auf die Herkunft jeder einzeln gekauften Nuss. Das alles ist begrüßens- und fördernswert – und sogleich oftmals scheinheilig.

Denn da, wo Nachhaltigkeit weh tut (und sie keiner wahrnimmt), findet sie selten statt. „Kaffeebecher sind ein Riesenärgernis geworden“, sagt Frank Sommer, Einsatzleiter bei den Berliner Stadtreinigungsbetrieben (BSR). Sie sind nicht nur ein Ärgernis, sondern die Zahlen sind erschreckend: 250 Millionen Pappbecher schmeißen die Berliner und die Touristen im Jahr weg. Für den Pappbecherverbrauch in ganz Deutschland müssen eine halbe Million Bäume gefällt werden. Nur, damit wir auf dem Weg zur Arbeit unseren Kaffee schlürfen können.

Inzwischen wird man oftmals nicht mal mehr gefragt, ob man seinen Kaffee oder sein Getränk eventuell lieber im Glas serviert bekommen möchte. Selbst beim Stadt-Land-Food-Festival, einem Food-Markt Anfang Oktober in Kreuzberg, das sich unter anderem Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt, wird der Smoothie ungefragt in einem Plastikbecher mit Plastikdeckel und Plastikstrohhalm über die Theke gereicht. Wozu?
In Sachen Nachhaltigkeit muss das Rad gar nicht neu erfunden werden. Es mag umständlich klingen, seinen Kaffee morgens selbst zu brühen – aber Natur und Gewissen werden es danken.