Berlin - Vorsicht, möchte man ausrufen, die Berliner Schulpolitiker bereiten eine neue Großreform vor! Dieses Mal geht es darum, allen Schülern mit Behinderung den Besuch einer Regelschule zu ermöglichen. Sonderschule ade, nun kommt die Inklusion. Der Gedanke, dass alle behinderten Menschen uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben sollen, ist sehr unterstützenswert. Doch lernbehinderte oder verhaltensauffällige Schüler in einer großen Klasse zu unterrichten, ist harte Arbeit.

Und leider wissen wir, dass die Berliner Schulpolitik jahrelang nach einem bestimmten Muster gehandelt hat: Man will möglichst schnell mit einer Großreform das Rad neu erfinden. Dann aber stellt man fest, dass für solcherlei bildungspolitische Höhenflüge weder das Geld da ist noch das Bordpersonal (vulgo: Lehrer) ausreichend vorhanden, willens und schon gar nicht auf solcherlei Reformen vorbereitet ist. So war es beim Jahrgangsübergreifenden Lernen (JüL), das von oben herab verpflichtend für alle Grundschulen eingeführt worden ist. Bis die JüL-Pflicht schließlich wieder aufgehoben werden musste.

Auch bei der frühen Einschulung ab fünf Jahren wollte man wohl zu viel auf einmal. Auch diesen Beschluss überprüft die Bildungsverwaltung nun wieder. Nachdem man es acht Jahre lang hat einfach laufen lassen. Unverantwortlich, wenn man bedenkt, wie viele Kinder dadurch die Lust am Lernen womöglich schon kurz nach der Einschulung verloren haben.

Aus diesen Fehlern der Vergangenheit muss die heutige Bildungssenatorin Sandra Scheeres ihre Schlüsse ziehen: Das neue Großprojekt Inklusion gelingt nur, wenn die Personalausstattung stimmt, die Eltern einbezogen werden, es genug Fortbildung für die Lehrer gibt. Und zweifelnde Pädagogen dadurch überzeugt werden.