Der Neptunbrunnen am Fuß des Fernsehturms ist nicht nur ein Treffpunkt für Familien und Schulklassen, sondern auch ein Anziehungspunkt für Touristen. Er zählt zu den beliebtesten Fotomotiven in der Stadt. Zehntausende Menschen sind dort jeden Tag unterwegs. Erst seit 1969 steht der neobarocke Prachtbrunnen jedoch in der Grünanlage zwischen dem Roten Rathaus und der Marienkirche. Ursprünglich war er als Geschenk der Berliner Bürger an Kaiser Wilhelm?II. als Schmuck für das Stadtschloss geschaffen worden. Gestaltet von Bildhauer Reinhold Begas (1831–1911), wurde der Brunnen vor der Südfassade des Schlosses Höhe Breite Straße am 1. November 1891 eingeweiht.

Abgebaut und eingelagert

Nach der Sprengung des Stadtschlosses wurde Neptun jedoch am Schlossplatz 1951 abgebaut und von der DDR eingelagert. Erst mit der Neugestaltung des Ost-Berliner Zentrums in den 1960er- und 1970er-Jahren wurde die Anlage in Lauchhammer saniert und dann am Fernsehturm wieder aufgestellt.

Der Standort war nicht beliebig gewählt: Mit einer symmetrischen Anordnung verschiedener Elemente, etwa dreieckigen Rosenbeeten, verfolgten die Planer die Idee einer barocken Gartengestaltung. Wie die Kunsthistorikerin Gabriele Dolff-Bonekämper kürzlich sagte, reihen sich entlang einer Achse Wasserspiele aneinander – am Fernsehturm die Wasserkaskaden, dann der Neptunbrunnen. Auch im Marx-Engels-Forum waren an der Spree weitere Wasserspiele vorgesehen, die aber nie verwirklicht wurden.

Doch um Neptun, der in zehn Meter Höhe auf einer gewaltigen Muschel mit seinem Dreizack thront, und um sein Gefolge ist es gar nicht gut bestellt. Die Bronzefiguren weisen dicke, weißliche Kalkablagerungen auf. Wie Gutachter betonen, müsse der Kalk entfernt werden, weil er auf Dauer das Metall zerstört. Zudem muss die Bronzeoberfläche dringend gewachst werden. An einigen Stellen ist das Wasserbecken aus Granit beschädigt, Fugen der Treppenanlage müssen ausgebessert werden. Geschätzte Sanierungskosten: etwa 250?000 Euro. Nur notdürftig wurde bisher das Wasserbecken abgedichtet, auch sämtliche Wasserleitungen müssen erneuert werden. Dafür gibt es noch keine Kostenschätzung.

In der Stadtdebatte, die der Senat mit den Berlinern zur Gestaltung der historischen Mitte zwischen Fernsehturm und Spree noch bis Ende November führt, haben sich die Berliner mehrheitlich für den Erhalt der Freiflächen und gegen eine historisierende Bebauung ausgesprochen. Historiker fordern die Versetzung des Brunnens vor das Schloss, in der Bürgerschaft gibt es dafür aber nur wenig Zustimmung.