Immobilien in Berlin sind begehrt, wenn es sich um Wohnungen sowie Geschäftshäuser in guter Lage handelt. Doch nicht für alle Grundstücke und Bauwerke stehen Interessenten heutzutage Schlange. Viele Spezial-Immobilien in der Hauptstadt sind ungenutzt und verwahrlosen, wie der Müggelturm in Köpenick oder der Spreepark im Plänterwald, bei dem gerade erst die Zwangsversteigerung der Erbaupacht gescheitert ist. Andere Immobilien sind zum Spekulationsobjekt verkommen, wie das ehemalige Kunsthaus Tacheles in Mitte. Allesamt stehen sie für vertane Chancen in der Stadtentwicklung. Sie sind mehr Schandfleck als Schmuckstück.

Dass es sich in vielen Fällen der Verwahrlosung um Wahrzeichen aus der Zeit der Teilung Berlins handelt, ist dabei kein Zufall. Diese Immobilien haben die beste Zeit meist hinter sich. Einst mit viel Steuergeld am Leben erhalten, sollten sie nach der Wiedervereinigung privatisiert werden, weil sich das Land Berlin den teuren Unterhalt nicht mehr leisten wollte – wie beim Sport- und Erholungszentrum (SEZ). Doch in vielen Fällen kam der Verkauf nicht zustande oder er missriet. Denn namhafte Investoren machten in der Regel einen Bogen um SEZ, Müggelturm und Co. So kamen Erwerber zum Zuge, die nicht zur ersten Garde der Geschäftsleute gehörten.

Rund 6300 Kaufverträge in gut zehn Jahren

Der Verkauf des SEZ vor zehn Jahren fällt in die Kategorie jener Privatisierungen, die als unglücklich bezeichnet werden können. Das SEZ ging seinerzeit zum symbolischen Preis von einem Euro an einen Leipziger Geschäftsmann, der zwar einiges Geld investierte, aber die Schwimmhalle nicht in Betrieb nahm, wie viele erhofft hatten. Jetzt will er auf den freien Flächen des Areals unter anderem einen Stellplatz für Wohnmobile einrichten. Wenn der Bezirk dem nicht zustimmt, wofür es bislang keine Anzeichen gibt, droht er mit dem Abriss des SEZ. Der Müggelturm steht exemplarisch für gänzlich missglückte Privatisierungen.

Mehrere Jahre suchte der landeseigene Liegenschaftsfonds erfolglos nach einem neuen Eigentümer. Im Jahr 2007 verschleuderte das Land schließlich den Turm, ein marodes Restaurant und 6000 Quadratmeter Fläche für 25.000 Euro an einen Krefelder Disko-Betreiber. Der versprach die Sanierung, riss aber nur das Restaurant ab. Dann verschwand er. Gegen die Rückabwicklung des Geschäfts, die das Land seit einem Jahr betreibt, legte der Käufer Widerspruch ein. Im Oktober soll darüber entschieden werden. Inzwischen hat das Land Berlin einen neuen Käufer gefunden, mit dem bereits ein Vertrag abgeschlossen wurde. Das Ende ist offen.

Offen ist auch, was aus mehreren anderen Wahrzeichen werden soll: Die Veranstaltungssäle im Prälat Schöneberg an der Hauptstraße sind weiter geschlossen, ebenso der Bierpinsel an der Steglitzer Schloßstraße und die Raststätte Dreilinden. Der Eigentümer der Raststätte, Chef einer Baumaschinenfirma, hatte kuriose Nutzungsideen: Er wollte Bagger, Kräne und Fundamentbohrer auf dem Gelände lagern. Genehmigt wurde das nicht. Vermutlich werden sich bald Rechtsanwälte damit auseinandersetzen, wie es in Dreilinden weiter geht. Immerhin: Beim Bierpinsel haben die Eigentümer angekündigt, dass die Architektur-Ikone aus den 70er-Jahren noch in diesem Jahr wieder eröffnen soll.

Weniger verheißungsvoll sieht es auf dem Areal am Bahnhof Zoo aus, auf dem ein 175 Meter hohes Riesenrad errichtet werden sollte. Das Projekt gilt als gescheitert. Das Problem: Dadurch wird die Entwicklung des Gebiets blockiert. Bis über eine neue Nutzung entschieden ist, werden Jahre vergehen.

Der Liegenschaftsfonds des Landes Berlin, der für viele Spezialimmobilien zuständig war, hat seit dem Jahr 2001 rund 6300 Kaufverträge abgeschlossen. Die überwiegende Zahl wurde problemlos erfüllt, doch wenige misslungene Verkäufe reichen aus, um den Eindruck entstehen zu lassen, die Hauptstadt agiere glücklos. (mit sk., el., ab., ost.)