Für alle, die in Berlin mit Bus und Bahn unterwegs sind, hält das Konzept viele gute Nachrichten bereit. U- und Straßenbahnen sollen häufiger fahren, Wohngebiete besser ans Busnetz angeschlossen werden. Der 114 Seiten umfassende Entwurf des neuen Nahverkehrsplans, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt vorgelegt hat, sieht zahlreiche Verbesserungen für die Fahrgäste vor. Doch noch ist ungewiss, ob und wann der Masterplan für die Jahre 2014 bis 2018 in Kraft gesetzt wird.

Wer regelmäßig mit dem Berliner Nahverkehr unterwegs ist, der weiß, wovon hier die Rede ist. Die Nachfrage steigt, die Züge werden immer voller. Ein Trend, der schon seit einiger Zeit zu beobachten ist und den selbst die S-Bahn-Krise nicht stoppen konnte: Von 2007 bis 2012 ist die Zahl der jährlichen Bus- und Bahnfahrten um 5,4 Prozent gestiegen – auf 1,35 Milliarden.

Pankow und Karlshorst profitieren

Diese Entwicklung geht ungebremst weiter, so die Planer. Die Zahl der Berliner wächst, es gibt immer mehr Schüler und Touristen. Arbeitsplätze werden geschaffen, Wohnungen gebaut. Wurden vor zwei Jahren täglich rund 2,8 Millionen Wege mit Nahverkehrsmitteln zurückgelegt, werden es 2020 mehr als 3,2 Millionen sein. Doch bislang hielt das Angebot mit der wachsenden Nachfrage nicht Schritt. Im Gegenteil: Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wurde es 2004 sogar gekürzt, danach ist es unterm Strich nicht mehr ausgeweitet worden.

Das muss sich ändern, fordern die Planer. Busse und Bahnen müssten mehr Kilometer zurücklegen. Das hieße: mehr Fahrten, mehr Sitzplätze, weniger Überfüllungen – ein attraktiverer Nahverkehr. Bei U- und Straßenbahn müsste die Verkehrsleistung um je 3 Prozent steigen, bei Bussen um 4,5, im Regionalverkehr um 6 und bei der S-Bahn sogar um 7 Prozent.

Neue Schienenstrecken sind nur wenige geplant, doch auf bestehenden Linien müsse das Angebot erweitert werden, heißt es. Beispiele: Auf den stark genutzten U-Bahn-Linien U 2, U 7 und U 9 sollen die Züge länger im Vier-Minuten-Takt fahren. Geplant ist zudem, dass abends die Umstellung vom Fünf- auf den Zehn-Minuten-Takt später erfolgt. Ausgedünnte Ferienfahrpläne dürfe es nicht mehr geben.

Bei der Straßenbahn müsse ebenfalls auf steigende Nachfrage reagiert werden. Im Bezirk Pankow sollen auf den Linien M 1, 12 und 50 öfter Züge fahren, auch auf der M 4 von Mitte nach Hohenschönhausen. In Karlshorst sollen auf der M 17 größere Züge eingesetzt werden. Für Rummelsburg und Oberschöneweide sei ebenfalls ein besseres Angebot nötig. Mehr Abend- und Nachtfahrten müsse es auf den Linien M 2, M 4 und M 10 geben.

Auch im Busverkehr zeigen sich „deutliche Kapazitätsprobleme, und zwar in den Wachstumsgebieten mit stark steigender Tendenz“, heißt es. In die Neubauviertel Heidestraße, Forckenbeck-/Cunostraße und zum Wohnpark Karlshorst soll es mehr Fahrten geben.

Schon jetzt Streit ums Geld

Zu Einzelheiten des Konzepts, das der Berliner Zeitung vorliegt, wollte sich die Verwaltung nicht äußern. „Wir haben unsere Arbeit getan“, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin von Senator Michael Müller (SPD). Es gebe erste positive Reaktionen. Nach Informationen der Berliner Zeitung sehen die BVG und Finanzsenator Ulrich Nußbaum (SPD) den neuen Plan aber skeptisch. Sie wollen sich die Option offen halten, das Angebot falls nötig weiter zu kürzen – weshalb der Senator bereits dem vorangegangenen Entwurf, der 2010 fertig wurde, die Unterschrift verweigerte. Neue Angebote müssten angemessen bezahlt werden, doch selbst um die Finanzierung der jetzigen BVG-Leistungen gibt es schon Streit.

Der Entwurf des neuen Nahverkehrsplans sieht vor, dass Berlins Ausgaben für BVG-Leistungen von 289,8 Millionen Euro 2014 auf 332,9 Millionen Euro 2018 steigen. Augenstein erwartet eine umfangreiche Debatte, bis Senat und Parlament den Plan beschließen: „Zum Zeitplan können wir nichts sagen.“