Stadtentwicklung: Galerie C/O soll ins Amerika-Haus umziehen

Berlin - Die international renommierte Fotogalerie C/O zieht in den Westen: Nach Informationen der Berliner Zeitung soll die Galerie künftig im Amerika-Haus in Charlottenburg untergebracht werden. Der Mietvertrag im Postfuhramt in der Oranienburger Straße in Mitte geht nur noch bis zum 31. Dezember. Am selben Tag endet auch im Haus an der Hardenbergstraße 22–24 der Mietvertrag mit dem Regionalmanagement City West.

Ursprünglich wollte der Liegenschaftsfonds das denkmalgeschützte Gebäude nahe dem Bahnhof Zoo meistbietend verkaufen. Doch der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wandte sich vehement gegen die Privatisierung. Die Vermarktung wurde gestoppt, 2010 zog zunächst das vom Senat geförderte Regionalmanagement ein. Jetzt soll sich sogar der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eingeschaltet haben, heißt es aus gut informierten Kreisen in der City West. Dieser habe dem Liegenschaftsfonds nahegelegt, das traditionsreiche Gebäude auch künftig „nicht zu kommerzialisieren“.

Noch sind keine Verträge unterschrieben

Mit der Nutzung durch die weltbekannte Galerie C/O, mit jährlich mehr als 200 000 Besuchern die wohl beliebteste Berliner Adresse für Fotografie, wäre nicht nur das Amerika-Haus gerettet. Auch C/O hätte wieder Zukunftsaussichten. Denn im Postfuhramt kann die Galerie nicht bleiben. Der neue Investor, Biotronik Neukölln, möchte die Kunst so schnell wie möglich aus dem Haus haben.

Bereits in den vergangenen Jahren war die Fotogalerie, in der schon so bekannte Fotokünstler wie Peter Lindbergh und Annie Leibowitz ausstellten, zum Spielball der Stadtpolitik geworden. Das Postfuhramt war 2010 von dem israelischen Immobilienunternehmen Elad gekauft worden, das den Gründerzeitbau sanieren und umbauen wollte.

An ein Hotel und Geschäfte, auch an Wohnungen war gedacht. Die Idee, eine Galerie in einem Neubau im Hof unterzubringen, scheiterte an den räumlichen Verhältnissen und den Geldforderungen des Investors.

Auch spätere Pläne eines Umzugs in alte Atelierhäuser im Monbijoupark zerschlugen sich. Denn im Sommer entschied das Bezirksamt Mitte, einen Umbau dort nicht zu gestatten. C/O war nun wieder auf Raumsuche und favorisierte das Künstlerhaus Tacheles, die Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg – und das Amerika-Haus, in dem es mit drei Sälen und weiteren Räumen genügend Platz gibt. Dass dieses das Rennen machte, liegt aber sicherlich auch daran, dass die Zukunft des Tacheles selbst ungeklärt ist und der Umbau der Bötzow-Brauerei erst 2017 beendet ist.

Noch sind keine Verträge zum Amerika-Haus unterzeichnet, in dem, wie es heißt, auch die Landeszentrale für politische Bildung unterkommen soll. Die Beteiligten geben sich deshalb schmallippig. Anette Mischler, Sprecherin des Liegenschaftsfonds, sagt nur, dass in Kürze eine Entscheidung zur Nutzung fallen werde. Der Sprecher der Kulturverwaltung, Günter Kolodziej, ist auch nicht auskunftsfreudiger: „Es laufen Gespräche, wir sind auf gutem Weg.“ Dass sich diese Gespräche tatsächlich um den Einzug der C/O-Galerie drehen, bestätigt deren Sprecher Mirco Nowak: „Wir diskutieren gegenwärtig die gegenseitigen Vorstellungen.“