Berlin - Es könnte ein erster Hoffnungsschimmer für die bedrohten Berliner Gaslaternen sein: Das Bezirksparlament von Charlottenburg-Wilmersdorf hat jetzt beschlossen, dass sich Bürgermeister und Stadträte gegenüber dem Senat dafür einsetzen sollen, die historischen Beleuchtungsanlagen zu erhalten. Wie berichtet ist geplant, rund 95 Prozent der in der Hauptstadt vorhandenen fast 44 000 Gaslaternen abzubauen. Denn diesen wird eine katastrophale Klimabilanz bescheinigt. Der Austausch der ersten etwa 8 000 Reihenleuchten, die aus den 1950er-Jahren stammen, hat bereits begonnen. Allein in Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es laut Stadtentwicklungs-Stadtrat Marc Schulte (SPD) davon etwa 1 300 Lampen.

Engagierte Bürger, darunter Mitglieder des Heimatvereins sowie von der Initiative Gaslicht Kultur, hatten deshalb mehr als 1 000 Unterschriften für einen Einwohnerantrag zum Erhalt der historischen Beleuchtung gesammelt. Mitinitiator Wolfgang Thaens, Mitglied des Heimatvereins Charlottenburg, sagt, dass Berlin mit seiner Vielzahl an historischen Gaslaternen ein Alleinstellungsmerkmal besitze.

Innerhalb der Hauptstadt habe Charlottenburg-Wilmersdorf eine Sonderstellung, dort präge die Gasbeleuchtung mehr als 75 Prozent der Straßenzüge. Im Bezirk stünden sämtliche Gaslaternenmodelle aus verschiedenen Stilepochen, sagte Thaens, sie ergänzten häufig historische Bebauungen. Zudem seien Gaslichttouren Bestandteil des bezirklichen Tourismuskonzeptes.

Prominente Unterstützer

Mit dem beschlossenen Einwohnerantrag wurde ein Zukunftsplan Gasbeleuchtung Charlottenburg-Wilmersdorf gefordert. Einen erwünschten Stopp für die bereits laufenden Abbauarbeiten wollte nur die SPD nicht mittragen. Dieser soll das Gebiet Bismarckallee, Bleibtreustraße, Dernburgstraße, Giesebrechtstraße, Herbartstraße, Holtzendorffstraße,Johannaplatz, Kolberger Platz, Knobelsdorffstraße, Platanenallee, Preußenallee, Reichenhaller Straße, Rönnestraße, Rüdesheimer Platz, Rüdesheimer Straße, Suarezstraße, Windscheidstraße, Witzlebenstraße, Wundtstraße betreffen.

Am heutigen Montag findet in der Komödie am Kurfürstendamm eine von Schauspieler Ilja Richter initiierte und moderierte Veranstaltung gegen die Demontage der Gasbeleuchtung statt. Zugesagt haben Künstler wie Katharina Thalbach, Klaus Hoffmann und Jim Rakete. Die Karten sind ausverkauft.