Berlin - Während sich vor den Schaufenstern am Tauentzien die Menschen drängen, könnten Flaneure gemütlich auf der neuen Mittelpromenade bummeln. Doch nur wenige Fußgänger nutzen die neue Verbindung zwischen Wittenberg- und Breitscheidplatz. Diese ist inzwischen bis zur Marburger Straße fertig, gebaut wird noch ein kleines Stück bis zur Rankestraße.

Die 1,3 Millionen Euro teure Promenade findet wenig Zustimmung. „Sie wirkt so kalt und unwirtlich“, sagt eine Frau, die nahe des Wittenbergplatzes wohnt und den neuen Weg entlangeilt. Auf einer großzügig gepflasterten Freifläche gibt es Beete mit Granitmauern. Die Umfassungen sollen auch als Sitzelemente dienen. Etliche der erst vor kurzem gepflanzten kleinen Eiben sind schon braun und müssen im Frühjahr wohl ausgetauscht werden.

Und vor dem U-Bahnhof Wittenbergplatz Richtung Westen, dort, wo die neue Promenade beginnt, gibt es nun keine Fahrradständer mehr. Eine bestehende Abstellanlage wurde abgeräumt. Etliche Radler schließen deshalb Bikes am kunstvollen Zaun der denkmalgeschützten U-Bahn-Station an.
„Das finden wir nicht gut“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Der U-Bahnhof gilt als einer der schönsten der Welt.“ Unternehmen könne die BVG allerdings nichts, zuständig sei der Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Denn auf dessen Gebiet befindet sich ein Teil der neuen Promenade. Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) sagt, dass deren Bau aber vom Nachbarbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gemanagt wurde.

Die Idee, in der Tauentzienstraße eine durchgängige Mittelpromenade zu bauen, stammt noch von der früheren Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer. Die BVG musste die U-Bahntunnel unter dem Tauentzien sanieren, die Straße sollte anschließend neu gestaltet werden. Vor allem Geschäftsleute hatten sich dort breitere Gehwege gewünscht. Doch das war zu teuer – mindestens 2,2 Millionen Euro hätten dafür aufgewendet werden müssen. Zudem wäre es kompliziert geworden, den Straßenquerschnitt zu verändern, denn in der Mitte befinden sich die Belüftung und Notausgänge für die U-Bahn. „Auch Pläne für eine Fußgängerzone oder Begegnungszonen waren politisch nicht durchsetzbar“, sagt Charlottenburg-Wilmersdorfs Stadtentwicklungs-Stadtrat Marc Schulte (SPD).

„Gar nicht so schlecht und ziemlich modern“

Deshalb wurde noch unter seinem Vorgänger Klaus-Dieter Gröhler (CDU) ein Wettbewerb veranstaltet – und 2011 nach dem Entwurf des Büros Lützow 7 der Bau der Mittelpromenade begonnen. Weil das Geld dafür knapp wurde, wurde dann aber auf wesentliche Teile des Entwurfs wie Sitzauflagen für die Beetumfassungen und ein Band aus LED-Leuchten verzichtet.

Rund 650 000 Euro hat die BVG für die Promenade dazugegeben, Geld, das sie für die Schließung der Straße nach der U-Bahn-Sanierung bezahlen musste. Sprecherin Reetz: „Man hätte alles so herstellen sollen wie es früher war. Die neue Mittelpromenade wertet den Tauentzien nicht auf.“ Boris Kupsch, Betreiber des Portals kurfuerstendamm.de, dagegen findet diese „gar nicht so schlecht und ziemlich modern“. Schade sei aber der Verzicht auf das Leuchtenband. Und Stadtrat Krüger versichert, das Wiederaufstellen von Fahrradständern auf dem Wittenbergplatz zu prüfen: „Im Frühjahr wird es ein Ergebnis geben.“