Stadtentwicklung: „Krampnitz wird keine Schlafstadt“

Berlin - Herr Klipp, Wohnraum ist in Potsdam schon jetzt knapp. Wo sollen die Menschen unterkommen?

Wir haben 2009, als das Wachstum eine neue Dynamik gewonnen hat, das Stadtentwicklungskonzept Wohnen auf den Weg gebracht. Das Wachstum der Stadt ist zu bewältigen und zu steuern. Es gibt ausreichend Flächen für Wohnraum in den nächsten zehn Jahren. Eine der wichtigsten davon ist Krampnitz im Norden – ohne die Nutzung des früheren Kasernengeländes lässt sich das Wohnungsproblem nicht lösen.

Wie steuert eine Stadt ihr Wachstum? Wo und wie die Leute leben wollen, entscheiden sie doch selbst.

Wir steuern vor allem über das Planungsrecht, das ist ein großer Hebel. Es gibt ja immer mal wieder Ideen, das Wachstum durch eine „Zuzugssperre“ zu begrenzen. Das würde aber heißen, dass der Wohnungsmarkt kollabiert und sich nur noch diejenigen mit dicker Brieftasche durchsetzen. Unsere Strategie ist, preiswertes Wohnen im Bestand zu erhalten und durch Neubau den Markt zu entspannen.

Welche Rahmenbedingungen braucht die Stadt dafür?

Wir würden sehr gerne einen größeren Teil der neuen Wohnungen mit öffentlicher Förderung bauen, um deutlich mehr Angebote mit Mietpreis- und Belegungsbindung zu schaffen. Das ist leider nicht möglich: In den letzten drei Jahren wurden nur 48 Neubauwohnungen in Potsdam vom Land Brandenburg gefördert – das ist weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Steigen auch deshalb die Mieten?

In Potsdam gibt der Markt bei Neubauten Mieten von 8,50 bis zehn Euro pro Quadratmeter her. Wenn man sie begrenzen will, muss man massiv öffentlich subventionieren – dafür fehlen in Brandenburg die Programme.

Was ist mit Studenten und Familien? Sie suchen oft vergeblich Wohnungen, nicht jeder will ein Eigenheim.

Das Wohnungsproblem lösen wir nicht mit Einfamilienhäusern. Wir setzen klar auf den Geschosswohnungsbau, dafür eignen sich zum Glück die meisten noch vorhandenen Flächen. Für Krampnitz ist ein gemischtes Konzept vorgesehen: Ausbau alter Kasernengebäude zu Wohnungen und Neubau von Reihen- und Einfamilienhäusern.

Die Ex-Kaserne hat schon für viel Ärger gesorgt; die Koalition im Landtag wies auf große Altlasten hin, die Opposition vermutet ein Verlustgeschäft und Vetternwirtschaft.

Da muss man sich im Land mal entscheiden: Ist Krampnitz zu riskant für eine öffentliche Entwicklung – oder ist es unter Wert verscherbelt worden?

Was glauben Sie denn?

Ich glaube, dass wir eine sehr fundierte Grundlage für die Entwicklung zum neuen Stadtteil vorgelegt haben. Zum ersten Mal wurden die Risiken und Chancen genau ermittelt. Als nächstes lassen wir den Anfangswert feststellen, zu dem dann die Eigentümer ein Angebot zur Mitwirkung erhalten. Falls sie sich nicht beteiligen, überführen wir die Flächen ins Treuhandvermögen und veräußern sie weiter. Eine Eigenentwicklung von Krampnitz durch die Stadt wird es nicht geben. Wir müssen nur die Voraussetzungen für private Bauherren schaffen: Erschließung, Teilabriss, Altlastenbeseitigung, Grünanlagen. Die Kosten refinanzieren sich zum großen Teil durch Mehreinnahmen.

Hätte sich der Hickhack vermeiden lassen, wenn die Stadt früher einen solchen Plan vorgelegt hätte?

Das war eine andere Zeit mit anderen Akteuren. Die Politik war vielleicht ein bisschen blauäugig beim Verkauf. Mir war schnell klar, dass die Thylander-Gruppe nicht hinter den Käufern stecken kann. Grundsätzlich war es falsch, private und öffentliche Aufgaben zu vermischen; das wird jetzt korrigiert.

Im Boden unter der früheren Panzerwäscherei steckt das giftige Lösungsmittel Trichlorethen. Wie können Sie Gesundheitsgefahren ausschließen?

Das Land wird diese Altlasten 2013 beseitigen, so dass die Grenzwerte eingehalten werden. Das Problem ist, dass die versickerten Stoffe nur zum Teil wieder aus dem Boden rauszuholen sind. Das muss man beobachten. Im fraglichen Bereich ist aber keinerlei Bebauung vorgesehen, sondern grüne Wiese. Man kann da keine Häuschenbauer Kräuter oder Möhren ziehen lassen, wie es die ursprünglichen Käufer des Geländes vorhatten.

Warum eine neue Schlafstadt am äußeren Rand, statt Wohnraum stärker im Inneren zu konzentrieren?

Wir machen beides und können weder auf die Flächen in der Stadt noch auf Krampnitz verzichten. Sonst müssten wir Felder oder Kleingärten bebauen. Schon um solche Grünflächen zu schonen und die denkmalgeschützte Kasernenanlage zu erhalten, müssen wir handeln. Und Krampnitz wird keine Schlafstadt: Es sind Läden, Kindergärten, Cafés geplant.

Das Gespräch führte Gerold Büchner.