Dass immer wieder Schaulustige am Bauzaun stehen und den Arbeitern genauestens auf die Finger schauen, ist nur eine Besonderheit am Rande. Es sind andere Faktoren, die dazu beitragen, dass der Bau der U-Bahn-Linie U5 in Mitte das schwierigste innerstädtische Verkehrsprojekt ist. Das Grundwasser steht hoch, der Baugrund gilt als wenig stabil und für die Baustelle ist im dicht bebauten Zentrum nur wenig Platz.

Jetzt haben die Planer und Bauleute ein weiteres Problem. Denn bei den Rohbauarbeiten für die U-Bahnhöfe Unter den Linden und Museumsinsel hat es nach Informationen der Berliner Zeitung Verzögerungen zum Teil von mehreren Wochen gegeben. Das könnte sich auf die Wiedereröffnung der Friedrichstraße auswirken, sagte die BVG-Sprecherin Petra Reetz.

„Dieses Bauvorhaben lebt“, erklärte sie. Überraschungen seien möglich – auch unschöne. „Darum wird dieses Projekt von uns intensiv kontrolliert und begleitet“, so Reetz. Die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Evelyn Nikutta hat es zur Chefsache gemacht. Interne und externe Fachleute analysieren regelmäßig, ob die Arbeiten im Plan sind. Nun haben sie Terminabweichungen festgestellt. Das bestätigte die BVG auf Anfrage.
Friedrichstraße ist betroffen
Das Landesunternehmen, das im Fall der U5 erstmals in seiner Geschichte den Bau einer U-Bahn organisieren und leiten muss, lässt Unter den Linden an zwei Stellen buddeln. Am Deutschen Historischen Museum haben die Arbeiten für den U-Bahnhof Museumsinsel begonnen, der einen Sternenhimmel mit Lichtpunkten bekommt. Bei seinem Entwurf ließ sich Architekt Max Dudler von einem Bühnenbild inspirieren, das Karl Friedrich Schinkel 1816 für Mozarts „Zauberflöte“ gemalt hat. Auf dieser Baustelle sollte der Betondeckel eines großen Schachts Ende dieser Woche fertig werden, jetzt ist von einer fast siebenwöchigen Verspätung die Rede.

An der Kreuzung mit der Friedrichstraße entsteht die Grube, in der die Station Unter den Linden betoniert wird. Dort werden die Fahrgäste zwischen der U6 und der U5 umsteigen können. Auch beim Bau der Betonwände, die diese Grube schützen sollen, stellten die Fachleute Verzögerungen fest.
Auf beiden Baustellen gebe es Anlaufprobleme, offenbar auch zu wenig Personal und Defizite bei der Logistik, haben die BVG-Experten analysiert. Zum Teil fehlten schlüssige Konzepte. Weil der Zeitplan für die U-5-Verlängerung eng gestrickt sei, ließen sich die Verzögerungen nicht oder nicht vollständig aufholen. Das könnte für die Verkehrsführung am Knotenpunkt Unter den Linden/ Friedrichstraße Folgen haben.

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Ursprünglich sollte die südliche Einmündung der Friedrichstraße Mitte Juli 2013 auf voller Breite wieder eröffnet werden, damit diese wichtige Kreuzung teilweise wieder funktioniert. Jetzt sei zu erwarten, dass dieser Plan erst zirka vier Wochen später verwirklicht werden kann, hieß es. Diskutiert werde, Mitte Juli nur einen Fahrstreifen der südlichen Friedrichstraße wieder zu eröffnen. „Wir wollen wenigstens eine Spur aufmachen“, bestätigte Reetz.

Weitere Überraschungen möglich

Trotzdem sieht man bei der BVG auch einen positiven Aspekt. Nun zeige sich, dass es richtig war, das Projekt U5 von Anfang an engmaschig zu überwachen, sagte Reetz. So könne zügig reagiert werden, wenn es hakt. Die BVG habe mit dem Bauunternehmen Bilfinger sofort Gespräche aufgenommen, damit die Probleme angegangen werden. Der Aufsichtsrat werde regelmäßig informiert. Die BVG will es besser machen als die Organisatoren anderer Großprojekte – der Flughafen BER kommt nicht aus den Schlagzeilen, auch die Sanierung der Staatsoper in Sichtweite der U5-Baustelle verzögert sich.
„Bisher kommen wir gut voran“, sagte die BVG-Sprecherin. Die 2,2 Kilometer lange U-Bahn soll 2019 eröffnet werden – für diesen Termin sehen auch die Fachleute bisher keine Probleme. Überraschungen werde es aber immer wieder geben, so Reetz „Das ist kein einfaches Vorhaben.“