Die Sitzplätze reichten nicht aus, so groß war das Interesse. Mehr als 300 Menschen drängten sich am Mittwochabend im Festsaal des Roten Rathauses bei der ersten öffentlichen Diskussionsveranstaltung über das Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) sagte gleich zu Beginn, worum es geht. Laut der jüngsten Bevölkerungsprognose wird sich die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2030 um rund 250 000 Menschen auf 3,75 Millionen erhöhen. Mit dem Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030 wolle sich Berlin „im Vergleich zu anderen Städten als attraktiver Wirtschaftsstandort, als lebenswerte Hauptstadt und als zukunftsfähige Metropole positionieren“, sagte er. Das Stadtentwicklungskonzept richtet sich unter anderem an die Behörden.

Am Mittwochabend sollte zunächst eine Positionsbestimmung erfolgen. „Wo steht Berlin, wohin geht Berlin?“ lautete das Motto der Veranstaltung. Katrin Suder, Leiterin des Berliner Büros von McKinsey, zeigte sich optimistisch: 500 000 neue Arbeitsplätze könnten in Berlin entstehen, sagte sie. Es müsse aber eine „neue Dynamik“ geben. Ein mögliches Wachstumsfeld sei die Elektromobilität.

Professor Rainer Danielzyk von der Leibniz-Universität Hannover hob unter anderem die Hauptstadtrolle Berlins, die starke Kultur und die Wissenschaft hervor. Als Schwäche bezeichnete Danielzyk die Einbindung Berlins in die internationalen Verkehrsströme. Flughäfen anderer Städte seien deutlich leistungsstärker. Zwar seien die Mieten in Berlin deutschlandweit betrachtet noch nicht Spitze, so Danielzyk, doch in keiner anderen Stadt in Deutschland seien die Mieten und Preise für Eigentumswohnungen zwischen 2007 und 2012 so stark angestiegen wie in Berlin. Wenn die Preise in nicht erträglichem Maße anstiegen, könne dies „eine Stadtgesellschaft zerreißen“, warnte er.

Zwar hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Bürger zum Dialog geladen, doch dauerte es fast zwei Stunden, bis sie ihre Fragen stellen konnten. Eine Rollstuhlfahrerin kritisierte, dass „kein Wort über Barrierefreiheit“ gefallen sei. Ein Mann unterstützte den Vorschlag von SPD-Chef Jan Stöß, der sich für den Bau von Wohnungen im historischen Zentrum ausgesprochen hatte.

Ein anderer forderte, mehr für die Kinder zu tun. Ein weiterer Zuhörer sagte, er vermisse eine Vision für Berlin. Müller sagte daraufhin, soweit sei er noch nicht. Die Vision solle erst im Laufe der Diskussionen erarbeitet werden. Die Äußerungen der Bürger seien aber genau das, was er sich erhofft habe. Bis Frühjahr nächsten Jahres soll der Berlin-Plan erarbeitet werden.