Die Aufgabe ist gigantisch. Berlin wächst seit dem Jahr 2011 jährlich im Schnitt um rund 40.000 Menschen. Allein in den fünf Jahren bis 2016 stieg die Zahl der Berliner  um rund 245.000 Menschen– so viele Einwohner, wie die Stadt Kiel hat. 

Auch wenn nach der Bevölkerungsprognose, auf die sich der Senat  stützt, von einem schwächer werdenden Zuwachs auszugehen ist, wird Berlin  laut dem jetzt vorliegenden Stadtentwicklungsplan (Step) Wohnen  2030 voraussichtlich 430.000 Einwohner mehr haben als im Jahr 2010. Um den Wohnungsbedarf-Bedarf zu decken, müssen dem Stadtentwicklungsplan zufolge bis 2030 insgesamt 194.000 Wohnungen errichtet werden. Dabei ist schon eingerechnet, dass unter der SPD-CDU-Regierung von 2011 bis 2016 rund 80.000 Wohnungen zu wenig entstanden.

Während Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) den Step Wohnen für beschlussreif hält, fordert die SPD Nachbesserungen. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 übersteige die tatsächliche Bevölkerungszahl die Prognose bereits um mehr als 30.000 Einwohner, erklärt die SPD-Abgeordnete Iris Spranger.  „Das muss in einem Planwerk, das für das kommende Jahrzehnt Gültigkeit haben soll, berücksichtigt werden – auch wenn die bisherige Prognose offizieller Senatsbeschluss ist.“ Spranger führt als weiteren Kritikpunkt den Umgang mit Kleingartenflächen an.

Laut Step Wohnen könnten bis zu 7000 Wohnungen auf Kleingartenflächen entstehen. Damit diese Flächen letztlich doch nicht bebaut werden müssen, wolle die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ab 2025 Ersatzflächen für diese 7000 Wohnungen suchen. Das sei „kein seriöser Umgang“ mit den Kleingärtnern, kritisiert Spranger. Im Step Wohnen  müssten Flächen ausgewiesen werden, „die dann auch tatsächlich bebaut werden sollen“, so die SPD-Abgeordnete. In Kreisen der Linken wird die Kritik zurückgewiesen. Der Umgang mit den Kleingartenflächen sei mit der Umweltsenatorin abgestimmt, heißt es. Abweichungen von der Bevölkerungsprognose können aus  Lompschers Sicht kein Grund sein, die Zustimmung zum Step Wohnen aufzuschieben. Der Plan werde, ebenso wie alle anderen Fachplanungen des Landes, angepasst, „wenn neue Prognosewerte vorliegen“, sagt sie.

In den nächsten Jahren werden laut Step Wohnen 20.000 Wohnungen jährlich benötigt. Darunter „vor allem gemeinwohlorientierte Wohnungen“, wie es heißt, also Wohnungen mit günstigen Mieten. Zu den geplanten Neubauflächen gehören unter anderem 14 neue Stadtgebiete, die teilweise  seit Jahren geplant werden. Darunter die Buckower Felder, die Wissenschaftsstadt in Johannisthal/Adlershof und die Insel Gartenfeld. Als  weiteres Gebiet soll der geplante Zukunftscampus von Siemens in Spandau geprüft werden.