Berlin - Vor einem erneuten Anlauf zur Bebauung des Tempelhofer Feldes müsste nach Ansicht von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) wieder eine Bürgerbefragung stehen. „Wenn ein solches Volksgesetz wieder geändert werden sollte, wird das nicht heimlich oder auf Umwegen geschehen können“, versicherte der Senator im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Ob sich die Frage angesichts der Zuzugssituation in Berlin noch einmal stellen werde, sei offen. „Ich weiß nicht, ob wir das überhaupt je wieder anpacken.“

Flüchtlingsunterkünfte sollen am Rand entstehen

Das müsse die Stimmung in der Stadt zeigen. Der Senat selbst könne keine Volksabstimmung initiieren, daher müsse der Wille dazu von anderer Stelle kommen. Die aktuelle Diskussion über Flüchtlingsunterkünfte auf dem ehemaligen Flughafen habe aber gezeigt, „dass die Emotionen noch ziemlich frisch sind“. Eine Bebauung sei in jedem Fall „keine aktuell anstehende Frage“, versicherte Geisel. „Wir haben im Moment noch so viel Potenzial, dass das keine Frage der nächsten Zeit ist.“

Der rot-schwarze Senat hält allerdings daran fest, am Rand der riesigen Freifläche Flüchtlinge unterbringen zu wollen. „Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, temporär bis 2019 Menschen vor Obdachlosigkeit zu schützen“, sagte Geisel. Hier gehe es zunächst um Vorsorge, nicht um ein konkret mit Zahlen unterlegtes Projekt.

Zunächst waren vier Flächen am westlichen, nördlichen und östlichen Rand des Feldes als Standorte für Notunterkünfte vorgesehen. Dagegen hatte es heftigen Widerstand von Anwohnern und Tempelhof-Fans gegeben. Auch Bürger, die in der Flüchtlingskrise ehrenamtlich helfen, hatten vor der Unterbringung von noch mehr Menschen unter aus ihrer Sicht unwürdigen Bedingungen gewarnt.

Gespräche hätten inzwischen ergeben, dass die Flächen auf der Neuköllner Seite und am Tempelhofer Damm weniger geeignet seien, sagte Geisel. „Würden wir an anderer Stelle in der Stadt eine intensiv genutzte Grünfläche mit Flüchtlingen belegen? Da ist die klare Antwort: nein. Warum sollten wir es dann ausgerechnet am intensiv genutzten Grillplatz an der Oderstraße tun?“ Er gehe davon aus, dass der Gesetzentwurf im Abgeordnetenhaus entsprechend angepasst werde. Ein Beschluss sei nach wie vor für Januar geplant. (dpa)