Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) hat die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes verteidigt. Es sei notwendig, auf die Flächen des stillgelegten Airports zurückzugreifen, um bezahlbare Wohnungen zu errichten, die in der Stadt dringend benötigt werden, sagte er am Dienstagabend auf einer öffentlichen Informationsveranstaltung zur Entwicklung des Flughafenareals. Rund 450 Besuchern waren in den Hangar 2 gekommen, wo der Senator die Pläne präsentierte. Die 230 Hektar große Freifläche in der Mitte des Areals solle auch künftig erhalten bleiben, bekräftigte der Senator.

Auf einer Fläche von rund 50 Hektar sollen am Rand des Feldes rund 4 700 Wohnungen errichtet werden. Außerdem sind Gewerbeflächen für rund 7 000 Arbeitsplätze und ein Neubau für die neue Zentral- und Landesbibliothek geplant. Die Bebauung soll am Tempelhofer Damm und auf der Seite zur Stadtautobahn beginnen. Diese Pläne wurden am Dienstag präsentiert.

„Mindestens 50 Prozent der Wohnungen sollen Mieten von 6 bis 8 Euro je Quadratmeter haben“, sagte Müller. Luxuswohnungen auf dem Tempelhofer Feld soll es nicht geben. Es gebe zwar viele Bauflächen für Wohnungen in Berlin, sagte Müller. Das Areal in Tempelhof würde jedoch gebraucht, um auch neue Wohnungen in der Innenstadt zu schaffen. Es sei „zutiefst unsozial“ zu sagen, es solle so bleiben wie es ist, und diejenigen, die neu in die Stadt kommen, könnten doch an den Rand ziehen, so der Senator. Eine Anspielung auf das laufende Volksbegehren, mit dem eine Bürgerinitiative jegliche Bebauung des Areals verhindern will.

Nach der Vorstellung der Pläne kam es zu einem Wortgefecht zwischen Gegnern einer Bebauung und dem Senator. Die Kritiker warfen Müller vor, dass die Pläne schon feststünden und dass die Bürgerbeteiligung eine reine Alibi-Veranstaltung sei. „Es geht hier nur um eine Propagandaveranstaltung“, rief einer. Ein anderer forderte, sich mehr Zeit zu lassen. Müller wies die Vorwürfe zurück. „Es wird nicht eins zu eins etwas durchgezogen“, sagte er. Die Internationale Gartenausstellung 2017 sei ein Beispiel dafür. Sie war zunächst in Tempelhof geplant, wurde nach Kritik aber in die Gärten der Welt nach Marzahn verlegt.

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) forderte am Mittwoch, dass über die gesamte Planung für das Tempelhofer Feld diskutiert werden müsse, nicht nur über einzelne Vorhaben. Zugleich bekräftigte der BUND seine Kritik am Bau des 30 000 Quadratmeter großen Regenwasserbeckens, das die Stadtentwicklungsbehörde in der vergangenen Woche genehmigt hat. Für die Versickerung von Regenwasser hätte man auch eine begehbare Mulde bauen können, die weniger als eine Million Euro kosten würde, so der BUND. Das Becken, das jetzt errichtet werden soll, kostet elf Millionen Euro. Weil in dem Genehmigungsverfahren nach Ansicht des BUND Beteiligungsrechte der Verbände missachtet wurden, lässt die Organisation nun prüfen, ob sie juristisch dagegen vorgeht. Müller verwies in der Diskussionsveranstaltung darauf, dass der Bau einer Wasserfläche von Bürgern gewünscht worden sei.