Berlin - Der neue Park ist nicht groß, nur rund 1,5 Hektar, was zwei Fußballfeldern entspricht. Eingezwängt zwischen der viel befahrenen Siemensstraße und der Bahntrasse, auf der Güter- und Fernzüge verkehren. Und trotzdem wirkt der Park wie eine kleine Oase in einem Stadtteil, der mit Grünflächen nicht gerade üppig ausgestattet ist.

Am Montag wurde der Moabiter Stadtgarten eröffnet, der auf dem Gelände des früheren Güterbahnhofs Moabit angelegt wurde. Mittes Bürgermeister Christian Hanke (SPD) sieht darin einen Baustein, die Lebensqualität für die Anwohner zu verbessern und für mehr Freizeitmöglichkeiten zu sorgen. Es ist ein kleiner Baustein.

Bezirk will Niedergang der Turmstraße stopppen

Tatsächlich wurde das nördliche Moabit zwischen Turmstraße und Westhafen von Politikern und Stadtplanern bislang eher stiefmütterlich behandelt.

Zumal neue Ideen immer wieder am Geld scheiterten, das wurde nach dem Mauerfall in den Aufbau Ost investiert. Mit einer überdurchschnittlich hohen Arbeitslosenquote und vielen Menschen, die von Hartz IV leben, gilt der Stadtteil als sozial schwach.

Inzwischen aber ist ein Wandel weg vom trostlosen Grau spürbar. So wurde etwa die abgewrackte Arminiusmarkthalle am Rathaus durch einen Investor wiederbelebt, dort gibt es inzwischen auch wieder Spezialitäten zu kaufen. Auch will der Bezirk den Niedergang der Turmstraße als Geschäftsstraße, der durch die Schließung der Warenhäuser Hertie und Woolworth noch beschleunigt wurde, stoppen. So soll die Straße mit Hilfe von Fördermitteln umgebaut und verschönert werden, so dass sie für Fußgänger und Fahrradfahrer attraktiver wird.

Alte Pappeln mussten fallen

Ein Anfang ist dort mit der Umgestaltung des Ottoparks gemacht: Für 2,5 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm Aktive Stadtzentren wurden neue Wege, Liegewiesen und Spielmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche angelegt. Ähnlich soll der Kleine Tiergarten umgestaltet werden. Anwohnerinitiativen fordern aber, dass ihre Meinung künftig gehört wird und überflüssige Baumfällungen wie im Ottopark verhindert werden.

Alte Pappeln mussten – trotz der Proteste von Anwohnern – auch für den Moabiter Stadtgarten fallen. „Es war ein steiniger Weg“, sagt Ephraim Gothe (SPD), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Noch als Baustadtrat in Mitte war er für das Projekt verantwortlich, es stand mehrfach vor dem Aus. So verweigerte das Bezirksparlament 2010 die Freigabe von Geld, weil die Parkgestaltung vertraglich an den Bau eines Gastronomie-Großmarktes auf dem Nachbargelände gekoppelt war, den Anwohner verhindern wollten.

Zentrum für Kunst und Urbanistik

Wie Gothe sagt, zählte das Vorhaben zu den umstrittensten Projekten. Den Großmarkt will das Münchener Unternehmen Hamberger bis Herbst 2013 bauen. Gastronomen und Hoteliers sollen dort einkaufen können – von Luxusgütern wie Hummer und Kaviar bis hin zu Utensilien wie Besteck und Servietten.

Im Park selbst stehen jetzt auf einer Liegewiese Obstbäume, es gibt Parkbänke für älteren Menschen, Mietergärten, einen Kinderspielplatz, der aus Holzkisten gestaltet wurde. Und an gebogenen Schienen ist eine Hängematte befestigt – „als Hinweis auf die frühere Nutzung als Güterbahnhof“, sagt der Planer Udo Dagenbach. Zwei Millionen Euro aus dem Förderprogramm Stadtumbau West standen zur Verfügung. Die Anwohner Joachim und Christel Zosel finden den Park schön, aber etwas klein. Und die Kinderrutsche – nur bestehend aus zwei Edelstahlstangen – sei auf dem Spielplatz viel zu gefährlich.

Klein wirkt der Garten, weil im Zentrum der Anlage ein großer Güterschuppen erhalten wurde. Den hat der Verein Kunstrepublik für 40 Jahre gepachtet und zu einem Zentrum für Kunst und Urbanistik ausgebaut. Ausstellungen und Veranstaltungen soll es geben – mit und für die Moabiter, sagt Philip Horst. Auch 13 Atelierwohnungen entstanden, Künstler aus Chile, Mexiko und Frankreich arbeiten dort schon.