Im Garten von Christof Berndt in Pankow fängt gerade der Winter an. Was bei üppig blühenden Büschen und Temperaturen von gut 30 Grad Celsius wie ein Scherz klingt, ist Realität. Zumindest für Berndts gut 20 000 Mitbewohner. Christof Berndt, 55, ist Hobby-Imker. Und für seine fünf Bienenvölker sei die Saison vorbei, sagt er: „Die Bienen bereiten sich auf den Winter vor.“ Sie sammeln Pollenvorrat für die kalte Jahreszeit und schmeißen die Drohnen aus dem Haus. Die Drohnen, also die männlichen Bienen, haben mit der Begattung der Königin ihren Dienst getan.

Am Samstag ist Christof Berndt, der als Grafikdesigner arbeitet und seit 2011 auch Bienen hält, beim Stadthonigfest im Prinzessinnengarten in Kreuzberg. Das Fest findet in der Anlage, in der Nachbarn gärtnern und Kinder viel über Pflanzenvielfalt lernen, zum 5. Mal statt.

Christof Berndt ist einer von gut tausend Imkern in Berlin. Früher waren das meist ältere Herren, die ihre Rente mit selbst gemachtem Honig versüßten. Inzwischen ist die Bienenhaltung zum Trend geworden. Bienenstöcke stehen in Gärten, auf Dächern und auf Balkonen. Selbst im Bundestag gibt es einen Bienenstock, auch auf dem Dach der Brandenburger Landesvertretung leben zwei Völker.

„Den Brandenburger Imkern geht es sehr schlecht, deshalb wurden sie zum Stadthonigfest gezielt eingeladen“, sagt Berndt. Auf dem Land leiden die Bienen an fehlender Pflanzenvielfalt. Ganze Landstriche bestehen aus Monokulturen wie Raps. Viele Bienen verhungern, weil sie zu wenige Trachtpflanzen finden. Auch Insektizide und Pestizide schaden ihnen. Hinzu kommen Milben und andere Krankheitserreger. In Deutschland, so die Schätzung des Deutschen Imkerbundes, ist die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf weniger als eine Million zurückgegangen. Was nicht nur Auswirkungen auf die Honigproduktion hat: Bienen, die seit gut 4 000 Jahren in Ägypten intensiv gehalten werden, sind die wichtigsten Bestäuber von Blütenpflanzen. „Auf dem Fest wollen wir darauf aufmerksam machen, wie gefährlich das Bienensterben für die Natur und damit auch für uns Menschen ist“, sagt Marco Clausen vom Prinzessinnengarten, in dem sieben Bienenvölker leben.

Im Gegensatz zum Land haben es Bienen in der Stadt noch gut: Hier blüht immer etwas, es ist wärmer als im Umland und Pestizide sind in städtischen Parks verboten. Selbst die Autoabgase schaden der Honigqualität nicht, wie Studien belegen. Die Bienen von Christof Berndt sind im Bürgerpark und im Schlosspark Pankow unterwegs, auch in der Schönholzer Heide und in den Gärten der Nachbarn. „Unser Honig weist einen hohen Anteil an Vergissmeinnicht-Pollen auf, was typisch ist für Berlin“, sagt er. Offensichtlich sind die kleinen Blaublütler hier weit verbreitet.

Gut 120 Kilogramm beträgt Berndts Honig-Ausbeute dieser Saison, die wegen Kälte- und Sturmperioden durchschnittlich gewesen sei. Seinen Kiezhonig verkauft er über Food Assemblys, das sind Online-Märkte, deren Kunden Wert auf regionale Lebensmittel legen.

Stadthonigfest: Sa 12–17 Uhr, Prinzessinnengarten, Moritzplatz, Eintritt frei.