Berliner Impressionen: Was ein Wochenendspaziergang für Überraschungen bietet

Bürgerinnen und Bürger dekorieren ihre Stadt auf eigenwillige Weise mit Kunst und stellen sogar Haushaltsgegenstände zur Verfügung. Oder ist das doch bloß Müll?

Geschützte Grünanlage in Kreuzberg mit Objekt, I.
Geschützte Grünanlage in Kreuzberg mit Objekt, I.Berliner Zeitung/Maritta Tkalec

Was haben wir denn da? Eine Gruppe britisch sprechender Spaziergänger auf dem Weg vom Kotti zum Urbanhafen steht rund um das weiße Objekt in der laut Hinweisschild „Geschützten Grünanlage“ und rätselt: Ein als Kühl-Gefrierkombination erkennbares Ding in die Büsche am Rand des Spazierweges platziert, nicht einfach bloß an die Straße gestellt, umspielt von buntem Herbstlaub. Hm. Anderswo würde man sagen Sperrmüll. Aber hier im allercoolsten Kreuzberg der Welt? Also Kunst. Eine Art Banksy vielleicht. Parc-Art. Die Botschaft? Vielleicht so: „Kalter November war früher.“ Gut, dass es unbefangene Touristen gibt. 

Geschützte Grünanlage in Kreuzberg mit Objekt, II.
Geschützte Grünanlage in Kreuzberg mit Objekt, II.Berliner Zeitung/Maritta Tkalec

Raffiniert in die Büsche drapiert findet sich ganz in der Nähe diese Installation. Sie bekommt den Titel „Wer jetzt kein Haus hat ...“. Gewöhnlich lässt sich die Sammlung von Wohnutensilien (Mitteleuropa, 1. Hälfte 21. Jahrhundert), durch Küchenschränke und Polstergruppen ergänzen, die entlang des offenen Depots Skalitzer Straße lagern. Dort blieb die Abstellungsfläche an diesem Wochenende leer.

Gehweg in der Oranienstraße – ein Abenteuer.
Gehweg in der Oranienstraße – ein Abenteuer.Berliner Zeitung/Maritta Tkalec

Enigmatisch erscheint diese Kombination (Standort Oranienstraße). Ein Abgrund auf dem Bürgersteig, abbrechende Kanten, der Boden unter den Füßen in Auflösung. Ein Sinnbild der Weltlage? Tröstlich: Das Unglücksgebiet ist erkannt, markiert, also gebannt. Der E-Scooter als Wächterfigur so genial auf dem Gehweg platziert, dass man vielleicht über das Gerät stolpert, aber nicht in die Grube fährt. 

Interessant. Oder doch alles bloß der Müll der Anderen und die ewige Kreuzberger Verwahrlosung?

Eine etwas angejahrte Pressemitteilung aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von 2020 klagt: Immer mehr Geld gehe in die Grünanlagenreinigung, aber „parallel dazu hat leider auch die Müllmenge in den Parkanlagen zugenommen, da die Grünflächen im Innenstadtbezirk intensiv von Bürger*innen und Besucher*innen aus anderen Bezirken und von außerhalb Berlins genutzt werden“. Außerdem sei Friedrichshain-Kreuzberg der am dichtesten besiedelte Bezirk Berlins. Wat willste machen.