Berlin - Licht ist nicht gleich Licht. Wer aufmerksam durch Berlins Straßen schlendert, findet die unterschiedlichsten Straßenlampen. Allein die Bandbreite an Gasleuchten ist groß: Historische Kandelaber mit sechskantigen Schinkel-Laternen, Gas-Aufsatzleuchten, Reihenleuchten und Gas-Hängeleuchten - sie alle spenden ein warmes, gelbliches Licht. Das könnte sich aber bald ändern. Denn der Senat möchte den Gasleuchtenbestand in den nächsten Jahren weitgehend auf Elektroleuchten umrüsten, um Energie und Kosten zu sparen. Doch dagegen regt sich Protest. Der Verein „Denk mal an Berlin“ würdigte nun die Berliner Gasbeleuchtung als „besonderes Denkmal“ und fordert einen Umrüstungsstopp. Er fürchtet um das historische Erbe Berlins.

Vielen Berlinern sei gar nicht bewusst, dass ihre Stadt etwas besonderes ist, sagt Elisabeth Ziemer, Vize-Vereinsvorsitzende. Mit mehr als 44.000 Gaslaternen in 2 800 Straßen sei Berlin das europaweit größte zusammenhängende gasbeleuchtete Gebiet. Die verschiedenen Lampenformen spiegelten ihre Entstehungszeit wider. Eigentlich müsste Berlins Gasbeleuchtung daher als technisches Flächendenkmal betrachtet werden. Doch dem werde weder das Lichtkonzept des Senats, das vor einem halben Jahr vorgestellt wurde, noch die Koalitionsvereinbarung von SPD und CDU gerecht.

Anwohner einbeziehen

In beiden Papieren heißt es, dass der Gasleuchtenbestand umgerüstet werden soll. Das Lichtkonzept geht von Energieeinspareffekten von mehr als 90 Prozent aus - mehr als sechs Millionen Euro im Jahr. Ziemer misstraut der Rechnung. Es gebe keine Ökobilanz. Zudem sei unklar, ob Entsorgungskosten für Altmaterial eingerechnet wurden.

Dass einige Gebiete von der Umrüstung ausgenommen sind, etwa historische Dorfanger, reicht den Denkmalschützern nicht. Ebenso wenig die Ankündigung, bei der Elektrifizierung würde auf „gaslichtähnliche Lichtfarben“ und die Erhaltung der Mastform geachtet.

Was das bedeute, sehe man ja an „Jessica“, sagt Ziemer. Die elektrische Straßenleuchte „Jessica“ soll alle 8 400 Gas-Reihenleuchten ersetzen. Viel zu eckig und viel zu grell sei sie, so Ziemer. Sie fordert, dass original Materialien wie gusseiserne Pfeiler erhalten bleiben. Berlin sollte auch nicht nur auf Strom setzen. Gasleuchten verschwendeten zwar Energie, doch da sei technisch sicher etwas zu machen. Gaslicht habe auch Vorteile: Es sei ein sehr schönes, zurückhaltendes Licht. Zudem locke es keine Insekten an.

Ziemer fordert ein Moratorium. Alle Fragen zu Kosten, Nutzen und technischer Machbarkeit müssten geklärt werden. Wichtig sei auch, die Anwohner einzubeziehen. „Viele merken erst, was passiert, wenn die Gasleuchten in ihrer Straße fehlen.“