Berlin - Das Stadtmuseum hat einen digitalen Wettbewerb ausgelobt, um Ideen für eine neue Spree-Brücke in Mitte zu entwickeln. „Wie lassen sich Nördliche Luisenstadt und Klosterviertel in Berlins historischer Mitte sinnvoll miteinander verbinden?“, heißt es in dem Aufruf. „Die Rückgewinnung der Waisenbrücke am Märkischen Museum steht schon seit einigen Jahren auf der strategischen Agenda des Stadtmuseums Berlin“, lässt sich Paul Spies, der Direktor des Stadtmuseums, in einer Pressemitteilung zu dem Wettbewerb zitieren: „Ein neuer Spreeübergang an der Stelle der ehemaligen Brücke ist für die Erneuerung der alten Stadtmitte Berlins sowie für die Anbindung des Märkischen Museums und des zukünftigen Kreativquartiers am Köllnischen Park an das Zentrum unerlässlich“, so Spies weiter.

Über die Errichtung einer neuen Waisenbrücke wird bereits seit 1999 diskutiert, der Senat misst dem Vorhaben   allerdings keine Priorität bei. Das Stadtmuseum Berlin hat nun offenbar genug und sich mit der Betroffenenvertretung für das Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt, dem Historischen Hafen Berlin, der Berlin-Brandenburgischen Schifffahrtsgesellschaft und weiteren Anrainern zusammengetan. Sie fordern, so ist es der Pressemitteilung zu entnehmen, einen konkreten Zeitplan für den Brückenneubau.

Die Stadtverwaltung Ost-Berlins ließ die im April 1945 beschädigte Waisenbrücke 1960/61 – als die neue Jannowitzbrücke fertig war – abreißen. Damit verschwand einer der ältesten Flussübergänge der Stadt. Der Übergang hatte die Ufer der Spree in Sichtweite von Fischerinsel und Mühlendamm jahrhundertelang verbunden – zunächst als hölzerne Klappbrücke, dann als repräsentatives steinernes Bauwerk.

Der vom Stadtmuseum ausgelobte Wettbewerb ist „Let's Build Berlin“ überschrieben, er richtet sich den Angaben zufolge an Spielebegeisterte und wurde zusammen mit dem Computerspiele-Publisher Paradox Interactive ins Leben gerufen. Die besten Einsendungen sollen am 14. Mai, dem „Brückentag“ zwischen Christi Himmelfahrt und dem darauffolgenden Wochenende, von einer hochkarätig besetzten Jury ausgezeichnet werden. Prämiert würden die einfallsreichsten und überraschendsten Entwürfe. Eine achtköpfige Jury – darunter Vertreter aus Politik, Kultur, der Bürgerschaft, der Stadtplanung und der Gaming-Community – wird die Entwürfe sichten und die Sieger auswählen. Der Gewinner in der Kategorie „Neue Waisenbrücke“ soll 1000 Euro erhalten, der Gewinner in der Kategorie „Areal rund um die Waisenbrücke“ 500 Euro. (ost.)

Mehr Informationen zur Geschichte der Waisenbrücke auf   https://www.stadtmuseum.de/objekte-und-geschichten/waisenbruecke