Am 14. September 2019 steht der 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt ins Haus – das Datum könnte nicht besser passen für die Eröffnung des Humboldt Forums, das den Blick von der alten Mitte Berlins hinaus in die Welt richten soll. Mag man es auch auf Berliner Art hinauszögern – viel Zeit bleibt nicht, bis hoffentlich viele Besucher zu der neuen Attraktion strömen. Und da liegt es nahe zu fragen: Wie kommen die vielen Leute denn dort hin und wieder fort?

Die im Bau befindliche U5 sieht eine Haltestelle Museumsinsel vor, ein Ausgang wird direkt vor der Westseite des Schlosses liegen. Man steigt aus dem Untergrund und steht vor dem Eosanderportal. Fragt sich nur wann. 2021 vielleicht – das ist zumindest der Termin, den einige Planer inzwischen für wahrscheinlicher halten als 2020, wie ursprünglich projektiert. Aber die U-Bahn ist nur die eine Sache. Busse werden kommen, viele Busse voller Touristen. Wo werden sie halten, um Besucher abzusetzen und wieder aufzugabeln. Und wo werden sie parken?

Ephraim Gothe (SPD), Baustadtrat von Mitte, kennt das Busthema, seit über das Schloss nachgedacht wird. Wussten frühere Senate noch keine Antwort, so wird doch wohl jetzt eine Lösung nahe sein – zumal generell zu klären wäre, wie das Verkehrskonzept für das historische Zentrum aussieht. Also nachgefragt.

Unzuständige Zuständige

Für Verkehr ist die Senatorin für Verkehr, Umwelt und Klimaschutz, Regine Günther, (parteilos, für Grüne), zuständig. Pressesprecher Matthias Spang wird gefragt, wo die Busse parken sollen, auf welchen Strecken sie an- und abreisen. Die Antwort fällt dünn aus. Es gebe noch Gespräche mit der Stiftung Humboldt Forum, „wie das Gesamtkonzept für den Reisebusverkehr der Museumsinsel und des Humboldt-Forums noch verbessert werden kann“. Es gebe „Überlegungen“. Immerhin: „In der Straße Schlossplatz zwischen Breite Straße und Rathausbrücke unmittelbar an den Fahrbahnrand angrenzend sind drei Halteplätze für Reisebusse geplant, die aus verschiedenen Richtungen anfahrbar sind.“ Drei Halteplätze.

Von Parkplätzen ist noch nicht einmal die Rede. Und wenn es um die Verbesserung eines Konzeptes geht, muss es doch ein solches geben. Darf man das einsehen? Eine weitere Nachfrage dazu ergibt leider keine weitere Auskunft. Es wird nur erneut auf die erste Antwort verwiesen.

Weil seit den Berliner Wahlen 2016 ein veränderter Ressortzuschnitt gilt, könnte, so vermuten es Stadtplaner, aber auch die Senatorin für Stadtentwicklung, Katrin Lompscher (Linke), für die Neuordnung rund ums Schloss zuständig sein, jedenfalls mit zuständig. Und wenn es um solch anspruchsvolle Orte wie das Humboldt Forum, die Museumsinsel und den Boulevard Unter den Linden geht, liegt auch die Vermutung nahe, Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sei in die Überlegungen einbezogen. Die Pressesprecherin der Behörde, Petra Rohland, lässt auf die entsprechende Erkundigung allerdings nur wissen: Man habe sich an die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr, Klimaschutz zu wenden – siehe oben. Auch eine direkte Anfrage bei Regula Lüscher, deren Mailadresse im Internet steht, führt zu keiner Antwort.

In der Kulturverwaltung von Senator Klaus Lederer (Linke) betont Pressesprecher Daniel Bartsch, man sei sich der hohen Denkmaldichte in dem touristisch und historisch wertvollen Bereich rund ums Humboldt Forum bewusst. Und es sei auch klar, dass es um wesentlich mehr als einen Haltepunkt für drei Busse geht. Aber zuständig sei man nicht.

Parken am „Dom Aquaree“

Tatsächlich scheint es bisher erst ein einziges ausgearbeitetes Verkehrskonzept zu geben. Es ist allerdings fast zehn Jahre alt und wurde 2008 im Auftrag des Fördervereins Berliner Schloss vom Verkehrswissenschaftler und Berlin-Experten Prof. Klaus J. Beckmann erstellt. Es sieht vor, dass der Hauptzustrom des Verkehrs von Unter den Linden kommend rechts vor der Kuppel-Fassade des Schlosses vorbeigeführt, am ehemaligen Staatsratsgebäude nach links, über die Rathausbrücke und die Spandauer Straße bis zur Karl-Liebknecht-Straße geführt wird.

Genau dort, vor dem heutigen „Dom Aquaree“, wäre ein Busparkplatz vorgesehen, ohne die Straße zu verbreitern. Denn der durchfließende Verkehr wäre gering – vorausgesetzt, man freundet sich mit der sehr reizvollen Grundidee dieses Konzeptes an: der Sperrung der Karl-Liebknecht-Straße kurz vor der Schloss- und Museumsinsel nämlich. Die Verkehrsführung um das Schloss herum würde eine entmotorisierte Zone zwischen Schloss und Lustgarten schaffen. Das Humboldt Forum mit seinen Ausstellungen zu den außereuropäischen Kulturen würde so ein integrierter Teil der Museumsinsel, verbunden mit dem Alten Museum durch einen attraktiven Flanierraum.

Unter den Linden autofrei

Wilhelm von Boddien, Inspirator des Schloss-Wiederaufbaus und Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schlosse.V. ließ das Konzept weit verteilen. Die damalige Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, (SPD), habe es vom Tisch gewischt, erinnert sich von Boddien. Im Senat habe man damit „einen Schrecken“ ausgelöst. Erst Bau- und Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD), heute zuständig für das Ressort Inneres, habe 2016 positiv reagiert. Von ihm stammt dann auch die Idee, die Straße Unter den Linden inklusive Humboldt Forum ganz frei von motorisiertem Individualverkehr zu halten. Offenbar wurde sie aber bisher nicht ausgearbeitet.

Neue Senatskonzepte sind auch Wilhelm von Boddien nicht bekannt. Zum Thema Busse hat er eine rigide Haltung, strenger noch als das alte Verkehrskonzept würde er sie am liebsten ganz aus dem Denkmalsbereich heraushalten: „Ein Busparkplatz in der Nähe des Schlosses ist überhaupt nicht nötig. Man schaue sich nur Städte wie Rom, Gent, Brügge oder Antwerpen an – nirgendwo gibt es im historisch wertvollen Bereich Busparkplätze. Die Leute werden abgesetzt, dann fahren die Busse weg und holen sie wieder ab.“

Wie wird es Berlin halten? Man weiß es nicht.