Hier begannen in der Revolution von 1848 die blutigen Barrikadenkämpfe, hier rief 1918 Karl Liebknecht die sozialistische Republik aus und hier wurde 1990 der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik beschlossen – kaum ein Ort in Berlin hat in der deutschen Geschichte eine so wichtige Rolle gespielt wie der Schlossplatz in Mitte. Diese Geschichte soll im neuen Schloss (Humboldtforum) einen festen Platz bekommen.

Die Stiftung Berliner Schloss–Humboldtforum, die Bauherrin des Projekts ist, präsentierte am Mittwochabend bei einer Veranstaltung im Audimax der Humboldt-Universität ein erstes Konzept dazu. Nach der Vorstudie soll an drei Punkten des neuen Schlosses an die Geschichte erinnert werden: Einer der spektakulärsten Orte verspricht das sogenannte Archäologische Fenster im Untergeschoss zu werden. Dort werden auf einer Fläche von rund 820 Quadratmetern die historischen Schlosskeller und Fundamente präsentiert. Die Besucher sollen die Spuren aus der Vergangenheit später bei einem Rundgang besichtigen können.

Über dem Archäologischen Keller entsteht im Erdgeschoss auf 320 Quadratmetern eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes. Dort soll unter anderem an die Architekturgeschichte erinnert werden, sagte Anette Dittel, die das Konzept erarbeitet hat. Zu der Baugeschichte gehört neben der Entwicklung des Schlosses auch der Palast der Republik. Wie an diesen erinnert wird, ist noch offen. Die erhalten gebliebenen Figuren des Schlosses, die früher im Schlüterhof standen, kehren zwar ins Humboldtforum zurück. Sie bekommen aber ein Dach über den Kopf. Sie sollen in einem rund 900 Quadratmeter großen Skulpturensaal ausgestellt werden. Er entsteht im Ostflügel, wo sich einst das Gigantentreppenhaus befand.

Hauptfunktion des Schlosses wird allerdings auch künftig sein, sich als Museum und Bibliothek dem Dialog der Kulturen zu widmen. Auf dem größten Teil der Fläche werden die außereuropäischen Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gezeigt.

Die Besucher der Veranstaltung am Mittwochabend äußerten sich kritisch zu den Ausstellungsplänen. Sie wünschten sich mehr Platz für die Geschichte des Schlosses, wenn möglich in historischen Räumen. Und sie äußerten die Befürchtung, dass dem Palast der Republik zu viel Aufmerksamkeit gewidmet werde. Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Schlösser und Gärten, verteidigte die Planung. Selbst einige tausend Quadratmeter für die Geschichte des Ortes wären noch zu wenig, sagte er. Der Palast der Republik gehöre zur Geschichte des Platzes.

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