Das Finanzierungskonzept zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses wackelt. Weil die Spenden für die Rekonstruktion der Barockfassade langsamer fließen als die Arbeiten vorankommen, sollen die fehlenden Summen nun vom Staat „zwischenfinanziert“ werden – um den Fortgang des Projekts nicht zu gefährden.

Das geht aus einem aktuellen Bericht des Bundesbauministeriums an den Bundestags-Haushaltsausschuss hervor, der der Berliner Zeitung vorliegt. Es zeichne sich ab, dass zum Ende des dritten Quartals oder im vierten Quartal dieses Jahres die „erforderlichen Barausgaben bei ungehindertem Baufortschritt voraussichtlich über dem Spendeneingang liegen werden“, heißt es in dem Bericht.

Die zügige Fertigstellung der Fassaden sei wegen des notwendigen Wetterschutzes nötig, eine Unterbrechung der Arbeiten wäre baufachlich und wirtschaftlich nicht vertretbar. Sie würde zudem den geplanten Eröffnungstermin gefährden. Um das zu verhindern, sollen die Arbeiten an der historischen Fassade zunächst aus den Mitteln bezahlt werden, die von den Steuerzahlern kommen.

Offizielles Budget: 595 Millionen Euro

Das offizielle Budget für das Projekt beläuft sich auf 595 Millionen Euro. Der Bund steuert 483 Millionen Euro bei, vom Land Berlin kommen 32 Millionen Euro. 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassaden will der Förderverein Berliner Schloss sammeln. Der Verein will überdies weitere 25 Millionen Euro sammeln, um damit die komplette Rekonstruktion der Kuppel und der Innenportale zu finanzieren.

Bisher hat der Förderverein nach eigenen Angaben 63 Millionen Euro gesammelt, 42 Millionen Euro stehen noch aus. Die Mittel für die Rekonstruktion der Fassade werden jedoch zum großen Teil bereits jetzt benötigt, um Rechnungen zu bezahlen. Deswegen werde eine staatliche Zwischenfinanzierung nötig, hatte der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, bereits vor kurzem erklärt.

Spendenziel: 80 Millionen Euro

Das Bauministerium bestätigt in seinem Bericht an den Haushaltsausschuss, dass der Bund bereit ist, eine staatliche Zwischenfinanzierung zu übernehmen, vermeidet jedoch eine solche Formulierung. Sehr wahrscheinlich, um die Spendenbereitschaft nicht zu verringern. In dem Papier heißt es, dass die Fertigstellung „innerhalb der Gesamtfinanzierung“ erfolge. Also mit den Mitteln des Bundes und des Landes Berlin. Die Gesamtfinanzierung sei jedoch nur unter der Voraussetzung gesichert, dass das Spendenziel von 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Fassade bis zum Ende der Baumaßnahme erreicht werde.

Die Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss managt den Bau des Projekts. Bis September 2016 sind bei ihr 54,4 Millionen Euro an Spenden eingegangen. Der größte Teil davon stammt vom Förderverein Berliner Schloss. Zu den Groß-Spendern gehört unter anderem die Frau des 2011 verstorbenen Unternehmers Werner Otto, dem Gründer des Otto-Versands.

Der Geschäftsführer des Fördervereins, Wilhelm von Boddien, zeigt sich zuversichtlich, dass er sein Spendenziel erreicht. Zugleich verteidigt er die staatliche Zwischenfinanzierung. „Ende 2019 haben wir das Geld zusammen“, sagte von Boddien auf Anfrage. Die Menschen würden immer dann zahlen, wenn sie etwas sehen. Um die ausstehenden 42 Millionen Euro Spenden zu sammeln, müssten 105 000 Leute jeweils 400 Euro zahlen. „Die sind längst geboren und leben in Deutschland“, sagte er.

Verzögerung wegen Beschwerde eines unterlegenen Bieters

Probleme gibt es aber nicht nur mit der Finanzierung. Aus dem Bericht des Bauministeriums geht hervor, dass es neben dem in der vergangenen Woche entschiedenen Rechtsstreit um die Auftragsvergabe für die Sicherheitstechnik im Schloss noch eine weitere Auseinandersetzung gibt: Dabei geht es um den Auftrag für die sogenannte Gebäudeautomation im Schloss. Dazu gehören zum Beispiel sich automatisch schließende Fenster und Türen.

„Zu der Vergabe der Gebäudeautomation lag die Beschwerde eines unterlegenen Bieters vor der Vergabekammer in Köln vor, die von der Kammer abgelehnt wurde“, sagte der Sprecher der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, Bernhard Wolter. Die Sache werde nun vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verhandelt. „Durch die Verzögerung der Auftragsvergabe werden derzeit noch keine laufenden Arbeiten auf der Baustelle behindert“, sagte Wolter. Ob es dabei bleibt, ist offen.