Berlin - In Mitte soll das Humboldtforum in diesem Jahr eröffnen. Gut 600 Millionen Euro hat der Schloss-Neubau auf der Museumsinsel gekostet. Die äußere Hülle ist nahezu fertiggestellt. Nun scheint für den Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), der Zeitpunkt gekommen, um zu betonen, dass er von der dort entstandenen Architektur gar nichts hält.

Wenn er auf das Humboldt Forum gucke, müsse er immer wieder sagen: „Ich finde es grausig“, sagt Stephan von Dassel. „Auf der einen Seite diese nachgemachte Barockfassade, dann da die Kuppel drauf, und auf der anderen Seite diese Schießscharten.“

Wenn dies das Prestige-Architekturprojekt der Bundesrepublik Deutschland sei, sei es aus seiner Sicht bescheiden. „Ich hätte mir da wirklich was Modernes gewünscht. Und ich bin auch nach wie vor nicht so überzeugt, ob dieses Innenkonzept aufgeht.“

Kritik am Humboldtforum 

Ab Ende 2019 soll darin schrittweise das Humboldtforum eröffnen, das zum Beispiel mehr als 20.000 Kunstwerke und Gegenstände aus Asien und Afrika, Amerika und Ozeanien zeigt. Auf der Fläche stand zuvor der 1976 von Erich Honecker eröffnete Palast der Republik. Von Dassel findet den entkernten DDR-Bau nach eigenen Angaben „unglaublich interessant“. Und er fügt bedeutungsschwanger an: „Ich glaube, man hätte da wieder was ausbauen können.“ Das sei nun aber vorbei. „Die Schlachten sind geschlagen.“

Der Bezirksbürgermeister gesteht zu, dass man sich sehr bemühe, aus dem Humboldt Forum ein Haus zu machen, das von allen genutzt werde. Er frage sich, wo in Berlin die interessante Architektur sei, obwohl viel in der Innenstadt gebaut worden sei. Viele interessante Gebäude gebe es in anderen Städten.

Kritik an den Äußerungen des Bezirksbürgermeisters kommt umgehend von Wilhelm von Boddien, der den Wiederaufbau maßgeblich vorangetrieben hat. Als Geschäftsführer des Fördervereins zum Wiederaufbau des Schlosses hat Wilhelm von Boddien nach eigenen Angaben bislang 88 Millionen Euro für die Gestaltung der Fassade eingesammelt. „Herr von Dassel gehört zu einer immer kleiner werdenden Gruppe von Menschen, die die Barockfassade kritisieren“, sagt Wilhelm von Boddien der Berliner Zeitung.

Berliner engagieren sich für das Humboldtforum

Was die moderne Ostfassade zum Fernsehturm hin angehe, befinde sich von Dassel aber in größerer Gesellschaft. Von Boddien: „Die Ostfassade wäre am leichtesten zu rekonstruieren gewesen. Aber es war der politische Wille, sie modern zu errichten, damit nicht der Eindruck entsteht, hier stünde das originale Schloss.“ Die Berliner würden sich zunehmend für das Schloss engagieren. Bei der Grundsteinlegung im Jahr 2013 wären nur knapp zehn Prozent der Spender Berliner gewesen, jetzt seien es deutlich über 50 Prozent. Gerade auch die Spenden aus dem Ostteil Berlins hätten zugenommen. Derzeit würden nur noch rund 17 Millionen Euro für die Fassade fehlen.

Ein Sprecher des Humboldtforums selbst will die Äußerung des obersten Bezirkspolitikers von Mitte nicht kommentieren. Intern gab es zuletzt auch Kritik daran, dass eine 1,10 Meter hohe Betonbrüstung vor dem geplanten Café an der Ostseite des Baus den ungetrübten Blick auf die Spree verhindere. Auch fehlten Baumpflanzungen.

Debatte um kostenfreien Tag 

Immerhin ist der Bau als eines der wenigen Großprojekte in Berlin einigermaßen im Zeitplan geblieben. Genaue Festlegungen zu Eröffnungstermine oder Eintrittspreisen fehlen noch. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) strebt ab dem Jahr 2020 einen kostenfreien Museumstag für Berliner Landesmuseen an. Unklar ist, ob diese Pläne auch das Humboldtforum betreffen könnten.