Berlin - Niemand wird im Ernst behaupten, dass Berlin ein Paradies für Autofahrer ist. Doch besser als anderswo geht es ihnen hier schon. Denn während in vielen Metropolen der Straßenverkehr immer mehr zunimmt, setzt sich der Abwärtstrend in Berlin weiter fort. So zeigen neue Zahlen, dass auf diversen Abschnitten der Stadtautobahn die Belastung erneut zurückgegangen ist.

Erst wurde gezählt, dann hochgerechnet. Nun hat die Bundesanstalt für Straßenwesen ihre Verkehrsdaten für 2010 veröffentlicht. Ein Vergleich mit der Erhebung von 2005 ergibt für Berlin zum Teil erstaunliche Resultate. So ist auf der A 114 zwischen Dreieck Pankow und der Schönerlinder Straße der Verkehr um 17 Prozent zurückgegangen. Auf der Avus zwischen Spanische Allee und Hüttenweg beträgt die Verkehrsabnahme 11, auf der A 111 zwischen Flughafen Tegel und Heckerdamm immerhin 6 Prozent.

„Die Ergebnisse der Bundesanstalt entsprechen denen unserer eigenen Zählungen“, bestätigte die Senatsbehörde Verkehrslenkung Berlin. Für den Rückgang des Straßenverkehrs, den auch der Senat seit längerem in Berlin beobachtet, gibt es dort eine kurz gefasste Erklärung: „Berlin wird grauer und bunter.“ Zum einen steigt der Anteil der Älteren an der Bevölkerung - Senioren fahren nicht so viel Auto wie zum Beispiel Berufstätige. Zum anderen kommen immer mehr Jüngere nach Berlin - doch bei ihnen spielt das Auto oft nicht mehr die Rolle wie früher. Oder sie haben als Student oder junger Kreativer schlicht noch nicht das Geld dafür.

Schlechter Zustand der Autobahnen

„Das Auto ist für viele Jüngere kein Statussymbol. Und auch bei Älteren ist der Anteil derjenigen, die sich keinen eigenen Wagen leisten können, gewachsen“, sagte Martin Schlegel, Verkehrsreferent beim Bund für Umwelt und Naturschutz. Auch wenn sich die Wirtschaftslage nun bessere: Viele neue Jobs seien keine Vollzeitarbeitsplätze, sie führten nicht zu weiterem Autopendlerverkehr. Der sei aber schon stark genug, entgegnete Jörg Becker vom ADAC. Den Daten zufolge ist auf den Pendlerrouten B 5 in Spandau und B 101 in Marienfelde mehr los als 2005 - auf Brandenburger Autobahnen in vielen Fällen auch.

Für die Rückgänge in Berlin sieht Becker andere Gründe: „Die A 114 ist in schlechtem Zustand. Das verringert die Durchlassfähigkeit. Auf der Avus und der A 111 ist oft Stau, vor allem vor den Zufahrten zur A 100. Auch das wirkt sich auf die Zähldaten aus.“ Der Stadtring A 100 stehe mancherorts vor dem Kollaps, kleine Störungen führten zu langen Staus. Zu ihm gehört der am stärksten belastete Autobahnabschnitt in Deutschland: Zwischen Dreieck Funkturm und Kurfürstendamm sind täglich 191 400, werktags sogar rund 205.000 Fahrzeuge unterwegs.

Seitdem die daran anschließende A 113 nach Schönefeld führt, ist auf dem Südteil der A 100 der Verkehr stark gestiegen - nahe der Buschkrugallee um 24 Prozent. Becker: „Wir werden genau beobachten, wie sich die Lage ab Juni entwickelt“ - dann ist der neue Großflughafen in Schönefeld in Betrieb.