Schönefeld. Gut, dass noch einige Zeit bleibt, um die Probleme im Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zu beheben. Denn wenn der neue Schönefelder Airport schon in dieser Woche den Betrieb aufnehmen würde, wäre im Terminal nur ein kleiner Teil der Türen funktionsbereit. Das geht aus dem jüngsten Sachstandsbericht zu dem Bauprojekt hervor, den die Flughafengesellschaft FBB vor kurzem im Internet veröffentlicht hat. Er listet auf, woran jetzt gearbeitet wird und wie es am neuen Flughafen weitergeht.

„Ein wichtiges Thema ist die fehlerhafte automatische Steuerung der über 5 000 Türen im BER-Terminal“, steht auf Seite 4. Türsteuerungen sorgen bei Feuer dafür, dass sich Fluchtwege öffnen und andere Bereiche versperrt werden, damit sich der Rauch nicht ausbreitet. Insider hatten berichtet, dass diese Steuerungen zu den Schwachstellen der Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Flughafens gehören. So seien viele Türen zunächst nicht oder nicht richtig verkabelt worden. Bei Versuchsreihen zeigte sich, dass sich Türen nicht öffneten oder zum falschen Zeitpunkt aufgingen.

Probleme mit der Datenautobahn

Inzwischen wurden jedoch Fortschritte erzielt, steht im Bericht (Stand: 28. August). „Die technischen Probleme wurden bei 75 Prozent aller Türen erfasst und bei mehr als der Hälfte behoben. Diese Türen sind bereit für die Inbetriebnahme.“ Die anderen Türen im Terminal, nach dieser Rechnung rund zwei Drittel, offenbar noch nicht – so der Umkehrschluss.

Die Türprobleme sind eines von 40 BER-Einzelthemen, mit denen das von Flughafenchef Hartmut Mehdorn ins Leben gerufene Beschleunigungsprojekt Sprint zu tun hat. Die zentrale Herausforderung für die Genehmigungsfähigkeit des Flughafens sei jedoch immer noch die Entrauchung des Haupt-Piers, betont die FBB in ihrem Bericht. Die Steuerung der Anlage, die bei einem Feuer den Qualm ableiten soll, habe sich als „nicht zuverlässig genug“ erwiesen. Darum werde die größte Einzelanlage in drei Teile aufgeteilt. Auch die zentrale Sprinkleranlage mit ihren rund 70 000 Sprinklerköpfen, die mit Hilfe von Wasser die Ausbreitung eines Brandes im BER verhindern soll, hat ein Problem. Sie habe sich „in der Praxis als zu schwer steuerbar und unzuverlässig erwiesen“, heißt es im Bericht. Daher werde ein anderes Konzept verfolgt. Geplant sei eine dezentralen Anlage mit drei Einzelkreisläufen.

Mit dem BER-LAN, der internen Datenautobahn im Flughafen, hat sich das Sprint-Team ebenfalls befasst. Sie wies zu wenig Systemstabilität auf. „Hier wurden Anpassungen vorgenommen. Der neue Stand: Die Anlage soll in den nächsten Wochen fertiggestellt werden“, erläutert die FBB. Im Oktober will das staatliche Unternehmen die nächsten Schritte bis zur Inbetriebnahme des neuen Schönefelder Flughafens erläutern. Derzeit werde mit Airlines über dieses Thema gesprochen. „Klar ist mittlerweile, dass die beiden größten Kunden der Berliner Flughäfen, Lufthansa und Air Berlin, gemeinsam umziehen werden“, heißt es.

Großdemo am Bundeskanzleramt

In dem Bericht bekräftigt die Flughafengesellschaft, dass „sofort“ mit der Umsetzung des Schallschutzprogramms begonnen wird. Mit einer Ausschreibung im Europäischen Amtsblatt sucht sie ein Unternehmen, das in der ersten Stufe des Verfahrens einen Großauftrag abwickelt. Für mindestens 650, maximal 5 300 Häuser im BER-Umfeld sollen ab Dezember Verkehrswertgutachten erstellt werden, geht aus der Ausschreibung hervor. Es geht um Häuser, bei denen die Schutzvorgaben nicht vollständig umsetzbar sind, weil die Kosten 30 Prozent des ermittelten Verkehrswertes übersteigen. Die Eigentümer können sich die Summe auszahlen lassen.

Für den Sonnabend rufen Bürgerinitiativen zu einer Demonstration gegen Verkehrslärm und „ausufernde Großprojekte“ wie den BER auf. Der Protestmarsch unter dem Motto „Schall und Rauch abwählen“ beginnt um 14 Uhr am Kanzleramt.