Berlin - Neue Zahlen des Senats zeigen, wie überfordert die Standesämter sind. Weit über 1300 Anträge auf Eheschließungen warten derzeit auf Bearbeitung. 36 Standesbeamte fehlen, online werden keine Termine vergeben. Die Folge: enttäuschte Liebespaare.

In den vergangenen drei Jahren wurden in den zwölf Bezirken Tausende Ehen beantragt. In Charlottenburg-Wilmersdorf, dem Spitzenreiter, kamen 7271 Anträge zusammen, aber nur 6244 Ehen wurden dort geschlossen. Im Familien-Bezirk Pankow (Platz 5) wurden 5721 beantragt. Eheschließungen gab es aber nur 2598 Mal. In Friedrichshain-Kreuzberg (Platz 4) gingen 5743 Anträge ein. Zur Hochzeit kam es tatsächlich dort nur 3279 Mal.

Nun können diese enormen Differenzen verschiedene Ursachen haben: In Berlin muss man die Heirat am Wohnort beantragen, kann aber danach woanders heiraten. In Treptow-Köpenick gab es so mehr Ehen als Anträge. 

Stadt Berlin bräuchte 36 Standesbeamte mehr 

Fakt ist aber, dass die Standesämter mit der Bearbeitung nicht hinterherkommen. 1309 Ehe-Anträge sind derzeit offen. Sie liegen irgendwo auf irgendeinem Stapel. Und weil zu drei Bezirken (Mitte, Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf) keine Zahlen vorliegen, dürfte der Stapel noch höher und die Zahl der Anträge noch größer sein. Die Abgeordnete Maren Jasper-Winter (FDP) fragte den Senat und bekam die Statistik zurück, die dem KURIER exklusiv vorliegt. Sie sagt: „Der Senat steht dem Glück vieler Menschen im Weg, wenn er die Eheschließung zu einem Glücksspiel werden lässt.“

Selbst wer einen Termin beim Standesamt bekommen hat, für den kann die Bearbeitungszeit danach noch lange sein. Neun Wochen sind es in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Der Grund: Die Online-Terminvergabe funktioniert nicht, aktuell ist in keinem Amt eine Onlinebuchung möglich. Der Senat teilt weiter mit, dass die Stadt 36 Standesbeamte mehr bräuchte, um alles zu schaffen.