Sie sehen uns an. 33 Frauen blicken dem Betrachter in die Augen. „Das habe ich gewollt. Denn das muss man aushalten können als Gesellschaft“, sagt die Berliner Fotografin Heike Steinweg. Nur eine der Abgebildeten wendet dem Betrachter ihren Rücken zu.

Heike Steinweg macht mit ihren Worten einen Anspruch deutlich und erklärt gleichzeitig auch ein ungewöhnliches Ausstellungsprojekt, das derzeit im Museum Europäischer Kulturen in Dahlem gezeigt wird. Heike Steinweg hat Frauen porträtiert, die sie in den vergangenen drei Jahren kennengelernt hat.

Es sind Frauen, die in Berlin leben, weil sie nicht in ihre Heimatländer zurück gehen können. Sie kommen aus Syrien, aus dem Irak, Afghanistan, Somalia. Ihre lebensgroßen Bilder werden in Dahlem nun bis zum Sommer zu sehen sein. „Ich habe mich nicht verabschiedet. Frauen im Exil“, so lautet der Titel der Ausstellung und auch er gibt einen Ton vor. Denn hier stehen die Personen und ihre Gefühle im Vordergrund und weniger die Biografien und Fluchterlebnisse.

Unter den Bildern stellt sich jede von ihnen mit einigen kurzen Gedanken vor. Der Betrachter liest die Worte und betrachtet die Bilder. Wenn er mehr wissen will, sollte er ein wenig Zeit mitbringen und sich in ein bereit liegendes Buch vertiefen. Dort erfährt er dann, woher die Betreffenden kommen und was sie noch zu sagen haben, vor allem über die Rolle der Frau.

Es sind nicht alle der Frauen geflüchtet. Eine ehemalige Diplomatin ist dabei, eine Hochschulprofessorin, Studenten, eine Schülerin. Manche von ihnen sind zum Arbeiten nach Deutschland gekommen. Dann allerdings konnten sie nicht zurück. Sie waren zu Hause in Ungnade gefallen. Und das verbindet sie auch mit jenen Frauen, die Deutschland zuerst über die Erlebnisse in einer Flüchtlingsunterkunft kennenlernten.

Die Ausstellung „Ich habe mich nicht verabschiedet. Frauen im Exil. Fotografien von Heike Steinweg“ ist bis zum 15. Juli im Museum Europäischer Kulturen in Dahlem zu sehen. Arnimallee 25, Di-Fr 10-17 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr.