Die Berliner Start-up-Szene behauptet sich abermals als das Zentrum junger Technologieunternehmen in Deutschland. Jedenfalls sind  die hiesigen Start-ups die mit Abstand größten Investitionsmagneten im Land. Denn von den insgesamt 2,16 Milliarden Euro, die deutsche Jungunternehmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bei Investoren einsammelten, flossen nahezu 1,5 Milliarden Euro in die Hauptstadt. Auf den Plätzen zwei und drei  folgen weit abgeschlagen Bayern und Hamburg mit zusammen knapp 400 Millionen Euro. „Berlin konnte im ersten Halbjahr den Titel als Deutschlands Start-up-Hauptstadt verteidigen“, heißt es im aktuellen Start-up-Barometer der  Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die dafür Risikokapitalinvestitionen in Deutschland analysierte.

Die Mega-Deals sind zurück

Während sich das Investitionsvolumen in deutsche Start-ups insgesamt gegenüber der ersten Hälfte des vergangenen Jahres  mehr als verdoppelte, brachten es die hauptstädtischen Jungfirmen fast auf eine Verdreifachung des eingesetzten Kapitals. „Die Mega-Deals sind zurück“, sagt Peter Lennartz, Partner bei Ernst & Young und maßgeblicher Autor der Studie.

Und tatsächlich ragen zwei Beteiligungen heraus. Im Mai war der südafrikanische Investor Naspers mit 387 Millionen Euro bei dem inzwischen börsennotierten Essenlieferanten Delivery Hero aus Berlin eingestiegen. Und ebenfalls im Mai sammelte der Berliner Auto-Großhändler Auto1 insgesamt 360 Millionen Euro von verschiedenen Investoren ein. Unter dem Strich vereinbarten Risikokapitalgeber in der ersten Jahreshälfte vier der fünf größten Beteiligungen in Deutschland mit Berliner Start-ups. 

Berlin hinter London und vor Paris

Wie sich das auf die Position der Start-up-Metropole Berlin im europäischen Ranking auswirkte, ist noch nicht endgültig geklärt. Erst Ende will Ernst & Young dazu eine genaue Analyse veröffentlichen. Vorläufigen Zahlen zufolge konnten sich aber auch Londoner Start-ups im ersten Halbjahr mehr Geld bei Investoren sichern. 1,78 Milliarden sollen dorthin geflossen sein. Für Pariser Unternehmen gingen die Investitionen dagegen leicht auf 640 Millionen Euro zurück.  Für Peter Lennarz ist die Sache klar: „Aus heutiger Sicht liegt Berlin definitiv noch immer  hinter London auf Platz zwei, aber mit sehr großem Abstand vor Paris“, sagt er der Berliner Zeitung.

Für Lennartz zeigt die Entwicklung generell, dass Investoren an die Skalierbarkeit und Wachstumschancen deutscher Start-ups glauben und die Szene weiter voranbringen. Aber auch  die hohe Zahl kleiner Deals wertet er als positives Zeichen. Immerhin gab es im ersten Halbjahr deutschlandweit 138 Finanzierungsrunden mit ein bis fünf Millionen Euro.

Onlinehandel besonders interessant

Das meiste Geld floss übrigens in Unternehmen aus dem E-Commerce-Bereich. Insgesamt kassierten die Start-ups des Onlinehandels  939 Millionen Euro,  während es im Vorjahreszeitraum noch 144 Millionen Euro waren. Auch junge FinTech-Unternehmen haben mehr Geld eingesammelt. Dort stiegen die Investitionen von 230 auf 332 Millionen Euro. Im Gesundheitsbereich kletterten sie  von 99 auf 253 Millionen Euro. Rückläufig waren dagegen erstaunlicherweise die Summen, die in Start-ups im Bereich Energie flossen. Dort hat sich das Investitionsvolumen von 61 auf 31 Millionen Euro fast halbiert.