Pawel Cebula ist rumgekommen. Er kam in Stettin zur Welt, hat dann in den Niederlanden, Großbritannien und Hongkong studiert. Als es dann darum ging, sein Start-up zu gründen, wählte er Berlin. „Ich habe die Stadt mehrmals im Jahr besucht und mir wurde schnell klar, wie viel Aktivität in der lokalen Szene steckt,“ sagt Cebula und ergänzt, dass die Hauptstadt schlichtweg der optimale Ort für ihn war.

Vielfältige Geschäftsideen

Cebula gründete vor vier Jahren die Plattform Medigo. Dort können Patienten weltweit Behandlungen in anderen Ländern buchen. Für Cebula rentierte sich diese Entscheidung: In der Seed-Förderrunde sammelte das Unternehmen insgesamt 1,9 Millionen Euro ein, darunter auch von Christophe Maires Atlantic Internet, einem bedeutenden Berliner Tech-Investor.

Am Donnerstag trifft sich ein großer Teil davon auf der „Polish Tech Night“, einer Veranstaltung, die bereits zum vierten Mal in Berlin stattfindet. „Wir wollen den Blick öffnen für das, was in der deutsch-polnischen Tech-Start-up-Szene passiert. Und das ist eine Menge“, sagt Tobias Szarowicz, der das Event gemeinsam mit Ula Lachowicz initiiert hat. Szarowicz selbst ist zwar in Deutschland aufgewachsen, studierte aber sowohl an der deutsch-polnischen Viadrina in Frankfurt an der Oder als auch in Warschau. Nachdem er den Bundesverband Deutsche Start-ups mitgegründet hatte, machte er sich mit Yobo selbstständig. Die App gibt Nutzern mit Hilfe eines Algorithmus Ausgeh-Empfehlungen.

Spektrum digitaler Wirtschaft

Was reizt die jungen Wilden des Nachbarlandes, den Schritt nach Berlin zu wagen? Für alle bietet die Stadt Anknüpfungspunkte für unterschiedliche thematische Schwerpunkte. In Berlin versammelt sich das gesamte Spektrum der digitalen Wirtschaft. Und so reichen die Geschäftsideen der jungen Gründer aus dem Nachbarland eben auch von Fintech über Medizintechnik bis zu Healthcare – alles dabei. Was alle Gründer eint: Berlin ist nicht weit entfernt von der Heimat. Es dauert nicht lange, um die Verwandtschaft in Warschau, Krakau oder Stettin zu besuchen.

In Polen würden die Investitionsbedingungen auch durch politische Veränderungen schwieriger, sagt Szarowics. Von den Universitäten kämen viele Absolventen, die unternehmerisch aktiv werden wollen. „Das polnische Ökosystem ist noch nicht soweit, seine Gründer optimal zu unterstützen“, sagt Markus Erken, Investment Partner bei Sunfish Partners, ein Risikokapitalgeber. Sunfish fördert als einziger deutscher Investor polnische Technologie-Start-ups, rund eine halbe Million in der frühen Phase.

„Das deutsche Ökosystem ist da schon einige Jahre voraus“, sagt er, „es steht mehr Geld zur Verfügung und die Investoren sind erfahrener im Aufbau von Unternehmen und der Internationalisierung.“ Da es keine weiteren deutschen Risikokapitalgeber im Nachbarland gibt, müssen die Gründer schon nach Berlin kommen, um Kapital einzusammeln.

Wunsch nach weniger Bürokratie

In der Hauptstadt gehört Paweł Chudziski, der während seiner Schulzeit nach Deutschland kam, zu den Förderern. Nach einer kurzen Episode in einer Bank in London kehrte er nach Berlin zurück. Heute verfügt sein Unternehmen Point Nine Capital über ein Portfolio von fast 100 Start-ups aus ganz Europa, darunter Polish Brainly, DocPlanner und inFakt. „Berlin ist ein sehr wettbewerbsintensiver Markt. Die Stadt verfügt über viel Talent und eine hohe Dichte an Start-up-Leuten“, sagt Jacek Majewski von tylko, „so dass es einfach ist, Experten aus allen möglichen Bereichen zu finden.

Seit drei Jahren bietet das junge Unternehmen maßgefertigte Möbel an. Per App können Kunden mit Hilfe von Augmented Reality die Möbelstücke virtuell in ihrem Zuhause platzieren. Und was nervt in Berlin? Justyna Zubrycka von Vai Kai, einem Hersteller von Holzpuppen mit digitalem Innenleben, wünscht sich eine digitalisierte und vereinfachte Bürokratie nach amerikanischem Stil, in dem Chancen statt Risiken wahrgenommen werden.