Berlin - Die Humboldt-Universität (HU) hat dem Wohnungsbaustaatssekretär Andrej Holm (parteilos, für Linke) eine Frist bis zum 9. Januar gesetzt, um sich zu seiner Stasi-Vergangenheit zu äußern. Die Hochschule bestätigte am Dienstag einen entsprechenden Bericht. Der Stadtforscher Holm arbeitete bis zu seiner Ernennung zum Staatssekretär im Dezember als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften.

Bei seiner Einstellung im Jahr 2005 hatte er falsche Angaben zu seiner früheren Tätigkeit für die Staatssicherheit gemacht. Holm hatte in einem entsprechenden Fragebogen geschrieben, er sei Wehrdienstleistender beim Stasi-Wachregiment Feliks Dzierzynski gewesen. Tatsächlich erhielt er als Offizierschüler lediglich eine militärische Grundausbildung bei dem Regiment und wurde als hauptamtlicher Mitarbeiter geführt.

Die HU prüft derzeit arbeitsrechtliche Konsequenzen

Holm hat den Fehler eingeräumt und sich auf Erinnerungslücken berufen. Die HU prüft derzeit arbeitsrechtliche Konsequenzen. Die Prüfung soll im Laufe des Monats abgeschlossen werden, wie aus Hochschulkreisen verlautete. Danach will die rot-rot-grüne Koalition auch über Holms politische Zukunft entscheiden.

Auch der Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen prüft den Fall Holm derzeit. Eine erste Einschätzung kam nach Informationen der Berliner Zeitung zu keinem klaren Ergebnis. Unter anderem ist ungeklärt, ob womöglich weitere Informationen über Holm zugänglich sind. In der vorliegenden Akte fehlen zahlreiche Seiten. Sie könnten Belanglosigkeiten enthalten, möglicherweise aber auch nähere Angaben zu Holms konkreten Tätigkeiten. Er selbst erklärt bislang, er sei nicht operativ tätig gewesen, habe also niemanden bespitzelt.

Öffentliche Diskussion am Freitag

Am Freitagabend will sich Holm in einer öffentlichen Diskussion zu den Vorwürfen gegen ihn äußern. Mit ihm auf dem Podium sitzt der renommierte Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk. Die Veranstaltung findet statt im Kulturzentrum Sebastian Haffner, Prenzlauer Allee 227-28, und beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.