Manchmal ist es schwer einzusehen, dass man verloren hat. Das gilt erst recht, wenn man sich als schuldloses Opfer einer ideologiegetriebenen Kampagne sieht. So muss es Hubertus Knabe gehen, Gründungsdirektor des Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, in der seit 18 Jahren verdienstvolle Erinnerungsarbeit betrieben wird – auch dank seines Engagements. Es ist Erinnerung daran, wie brutal die DDR mit ihren Gegnern im eigenen Land verfuhr. Die Zeitzeugenberichte ehemaliger Häftlinge sind immer wieder ergreifend und erhellend.

Das ist alles gut und richtig. Doch viel zu lange wurde ignoriert, was nicht gut und richtig war in Hohenschönhausen. So wurde zu lange ein Rechtskurs unter den Zeitzeugen geduldet, etwa als einige Werbung für die AfD machten. Oder als der Berliner AfD-Vorsitzende Georg Pazderski in den Förderverein der Gedenkstätte aufgenommen wurde – und zum Beispiel Stasi-Unterlagen-Chef Roland Jahn deshalb den Förderverein verließ.

Grütters will zeitgemäße Kultur in Gedenkstätte einführen

Dass Hubertus Knabe am Ende über sexistisches Verhalten von Mitarbeitern gegenüber Kolleginnen in der Gedenkstätte stolpert, mag vergleichsweise nichtig klingen. Doch die Vorwürfe passen ins Bild, das die Gedenkstätte seit einiger Zeit nach außen abgibt. Die Frauen hätten nach wie vor große Angst vor Knabe, hat das Berliner Landgericht erkannt. Allein das wäre schon ausreichend, dass Knabe seinen Posten räumen muss.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters, CDU, hat der Abberufung Knabes zugestimmt. Sie hat es getan, weil sie eine zeitgemäße Kultur in der Gedenkstätte einführen will. Und nicht weil sie ideologische Kämpfe führt.