Die Ereignisse an diesem Montagmorgen überstürzen sich. Das Landgericht Berlin hat in einem Eilbeschluss der Eingabe des Senats stattgegeben. Hubertus Knabe darf nicht an seinen Arbeitsplatz in die Gedenkstätte Hohenschönhausen zurückkehren. Das Landgericht begründet diesen Entschluss auch mit den Aussagen von 40 Mitarbeiterinnen, die in Vertrauensgesprächen mit der Beratungsbeauftragten Marianne Birthler, ihre Angst vor Hubertus Knabe geäußert hätten.

Der am Sonntag fristlos entlassene Direktor und Stiftungsvorsitzende Hubertus Knabe erschien an seinem Arbeitsplatz und betrat sein Büro in der 3. Etage des Bürogebäudes.  Kultursenator Klaus Lederer (Linke) will Knabes Rückkehr nicht akzeptieren und ließ am Montag Widerspruch beim Landgericht einlegen, wie er der Berliner Zeitung sagte.

Bis zu einer Entscheidung könne Knabe sein Büro betreten, sagte Lederer. „Ich werde jetzt im Interesse der Gedenkstätte größtmögliche Gelassenheit an den Tag legen.“ Der Stiftungsrat der Gedenkstätte unter Vorsitz von Lederer hatte noch am Sonntag beschlossen, Knabe als Vorstand und Direktor der Gedenkstätte abzuberufen. Vorerst wurde Jörg Arndt, bis vor Kurzem tätig bei der Stiftung Zentral- und Landesbibliothek, als Vorstand und Direktor der Gedenkstätte bestellt.

„Nach meinem Dafürhalten ist Herr Arndt jetzt Direktor und demzufolge vertretungsberechtigt“, sagte Lederer am Montag. Mit dieser widersprüchlichen Rechtssituation müsse man jetzt ein paar Tage leben.

Hubertus Knabe wird mit Blumen empfangen

Am Eingang war er kurz vor 9 Uhr von einem halben Dutzend Vertretern von Opferverbänden mit Blumen und Konfekt empfangen worden. Einen Termin in der Senatskulturverwaltung, zu der er von Staatssekretär Torsten Wöhlert einbestelllt worden war, hatte Knabe nicht wahrgenommen.

Unter Bezugnahme auf eine Eil-Entscheidung des Landgerichts, nach der seine sofortige Freistellung vom September, die mit der damaligen Kündigung zum 31. März 2019 einhergegangen war, aufgehoben wurde (die Berliner Zeitung berichtete), setzte Knabe seinen Zugang durch. Dabei dürfte geholfen haben, dass Knabe in Begleitung des FDP-Abgeordneten Stefan Förster erschien.

Die Opfervertreter, darunter Angelika Barbe vom Verband politisch Verfolgter des Kommunismus, bezeichneten die Entscheidung als Trick, die Gerichtsentscheidung zu hintergehen.

Der Zeitzeuge Gilbert Furian, der selber einst 7 Monate im einstigen Stasi-Gefängnis eingesessen hatte, bezeichnete die Entscheidung, Knabe zu feuern, als richtig. Er habe zwar viele Verdienste, aber durch seinen scharfen Antikommunismus und blanke Linken-Schelte die Arbeit der Gedenkstätte in eine bedrohliche Schieflage gebracht: „Es ist dringend nötig, dass er draußen bleibt.“

Knabe war entlassen worden, weil er nicht gegen sexistische Äußerungen und Verhaltensweisen seines Stellvertreters vorgegangen sei. Das bestritt er vor dem Tor der Gedenkstätte. Er erklärte, wegen der Vorwürfe Anzeige gegen Unbekannt erstattet zu haben, das Verfahren sei aber eingestellt worden. Auch wisse er bis jetzt nicht, wer belästigt worden sei.

Furian sagte dazu, dass die Entlassung Knabes vielleicht falsch sei, das Ergebnis aber richtig. (mit dpa)