Die Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen hofft nach dem Urteil um die Kündigung des ehemaligen stellvertretenden Direktors jetzt auf Ruhe.
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Berlin-HohenschönhausenDie gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Kündigungen von Führungspersonal in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen neigen sich dem Ende zu. Am Mittwoch verkündete eine Kammer des Berliner Arbeitsgerichts, dass die Kündigung des langjährigen stellvertretenden Direktor der Gedenkstätte im vergangenen Jahr rechtens wahr. Ob damit tatsächlich bald Ruhe in Hohenschönhausen einkehren und damit die inhaltliche Arbeit wieder in den Vordergrund rücken kann, werden aber erst die nächsten Monate zeigen.

Der Spruch des Vorsitzenden Richters Arne Boyer am Mittwochmorgen war glasklar: Helmuth Frauendorfer, seit acht Jahren Vize in Hohenschönhausen, ist im vergangenen Jahr zurecht gekündigt worden. Frauendorfer habe Frauen, die in der Gedenkstätte beschäftigt sind oder waren, aber auch Volontärinnen und Praktikanten gegenüber kein „angemessenes Verhalten“ an den Tag gelegt, sagte der Richter bei der Urteilsverkündung. So habe Frauendorfer mehrfach „inadäquate Gesprächssituationen entstehen lassen“, zum Beispiel, in dem er Vorstellungsgespräche im Restaurant führte.

Entscheidend für das Urteil sei, dass Frauendorfer trotz eines Personalgesprächs und Belehrungen durch den Chef nicht habe erkennen lasse, dass er sich künftig ändern würde, so Richter Boyer. Er sei uneinsichtig gewesen. Das alles rechtfertige allein die Kündigung.

Der Richter legte Wert darauf, dass mit diesem Urteil nichts über die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gesagt sei. Damit habe man sich nicht beschäftigt. Das sei zur Urteilsfindung auch nicht notwendig gewesen, sagte Boyer.

Frauendorfers Fall im Zusammenhang mit Causa Knabe

Helmuth Frauendorfers Fall steht im größeren Zusammenhang mit der sogenannten Causa Knabe. Hubertus Knabe, politisch streitbarer Gründungsdirektor der Gedenkstätte, war im vergangenen Herbst gekündigt worden, weil die Senatskulturverwaltung einen Mentalitätswechsel in Hohenschönhausen herbeiführen wollte. Über Jahre hatten sich dort Berichte über sexistisches Verhalten Frauen gegenüber gehäuft. Insgesamt rund ein Dutzend Frauen hatten darüber geklagt. Knabe, so die Vorwürfe der Kulturverwaltung, sei als Dienstvorgesetzter nicht entschieden genug gegen solches Verhalten vorgegangen.

Knabes Kündigung hatte ein politisches Nachspiel. Vor allem in Opferverbänden aber auch in der CDU zeigten sich etliche empört. Sie witterten in der Kündigung des strammen Antikommunisten Knabe eine Intrige von Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Dass Lederer dabei Unterstützung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erhielt, sorgte für viel Unruhe in der Partei, deren Berliner Landesverband sie damals noch vorstand. Inzwischen haben sich die Wogen geglättet – auch weil die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus mittlerweile einen Untersuchungsausschuss fordert, der die Hintergründe von Knabes Kündigung beleuchten soll.

Während sich Knabe selbst nach seiner Kündigung mit der Stiftung der Gedenkstätte außergerichtlich einigte, ging sein Vize Frauendorfer juristisch weiter gegen seine Abberufung vor. Weiterhin wäre es Frauendorfer möglich, die nächste Instanz, das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg, anzurufen. Zur Urteilsverkündung am Mittwoch war weder Frauendorfer noch ein anwaltlicher Vertreter anwesend.

"Der Fokus liegt jetzt wieder auf der wichtigen Arbeit."

Dagegen verfolgte Knabes Nachfolger Helge Heidemeyer die Verkündung gespannt. Anschließend sagte der neue Gedenkstätten-Direktor, er sei „glücklich, dass das Gericht voll und ganz unsere Auffassung gefolgt ist“. Er sei auch „froh, dass sich das Engagement der Frauen“ um ein anderes Klima in der Gedenkstätte gelohnt habe. Im Übrigen sei es „prima, dass der Fokus jetzt wieder auf der wichtigen Arbeit der Gedenkstätte“ liege. Die juristischen Auseinandersetzungen hätten die Arbeit immer wieder belastet. „Jetzt sind alle froh, dass das keine Rolle mehr spielt“.