Die ehemalige Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit, MfS, Stasi, in der Normannenstrasse in Berlin-Lichtenberg.
Foto: dpa/Gregor Fischer 

Berlin Waren es Sammler auf der Jagd nach seltenen Zeitdokumenten oder doch nur gewöhnliche Kriminelle? Nach dem Einbruch in das Stasi-Museum in der Ruschestraße in Lichtenberg gibt es noch keine heiße Spur zu den Tätern. Doch es wurden nicht nur Orden und andere DDR-Devotionalien entwendet, sondern  auch wertvoller Goldschmuck aus früheren Stasi-Beständen. 

Einzelheiten zu den gestohlenen Exponaten, bei denen es sich um Trauringe sowie mit Edelsteinen besetzte Ringe handeln soll, wollte die Polizei zunächst nicht bekanntgeben. Allerdings wurde dieser Zeitung aus Ermittlerkreisen bestätigt, dass es sich nach derzeitigem Kenntnisstand um bei der Wende entdeckten Schmuck aus Stasi-Beständen handeln soll, deren rechtmäßige Besitzer bislang nicht ausfindig gemacht werden konnten.

Anteil des Raubs aus ,,Aktion Licht“

Das Bundesamt für offene Vermögensfragen habe die Stücke dem Museum als Dauerleihgabe überlassen. Zuerst hatte der Tagesspiegel darüber berichtet. Damit stammen Teile der jetzt gestohlenen Stücke möglicherweise aus der berüchtigten „Aktion Licht“ aus dem Jahr 1962. Damals ließ die DDR-Führung unter der Führung von Erich Mielke persönlich rund 21 000 Bankschließfächer und Tresore aufbrechen, die nach 1945 nicht mehr geöffnet worden waren.

Der Großteil der Besitzer war entweder von den Nazis ermordet worden oder lebte im Westen. „Eventuell vorhandene Alarmanlagen wurden im Vorfeld mit Hilfe eingesetzter IM in den Banken geortet und außer Betrieb gesetzt“, heißt es auf der Internetseite des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen.

Und weiter: „Ausgespäht werden sollten darüber hinaus auch Privathäuser, in die offensichtlich ebenfalls konspirative Einbrüche geplant waren, um auch dort in vergessenen Safes nach weiterem Gesellschaftseigentum“ wie Schmuck, Uhren, Silberbesteck, Briefmarkensammlungen oder auch Aktien und Sparbüchern zu suchen.

Wertgegenstände im besonderen Tresor

Mit Erfolg: Im Oktober 1962 sei „die Beute des staatlichen Raubzugs dem DDR-Finanzministerium übergeben“ worden. Eine Auflistung, „an die Tresorverwaltung des Ministeriums für Finanzen (...) erfasst Gegenstände im Gesamtwert von rund 2,37 Millionen DM“. Doch es ging den Stasi-Plünderern nicht etwa darum, die gefundenen  Wertgegenstände wie Schmuck, Aktien, Edelmetalle und Kunstgegenstände den ursprünglichen Besitzern oder deren Erben zurückzugeben.

Ziel sei laut Stasi-Unterlagen vielmehr „die Ermittlung und Sicherstellung der bisher nicht ordnungsgemäß erfassten Wertgegenstände, die gesellschaftliches Eigentum sind, um Schieber- und Spekulantentum zu unterbinden“ gewesen. Zu diesem Zwecke seien die Wertgegenstände „in einem besonderen Tresor der Deutschen Notenbank zu verschließen und vom MfS zu versiegeln“.

Staatlicher Raubzug sorgte innerhalb für Kritik

In einem zweiten Schritt sollten die Wertgegenstände entweder in den Edelmetallfonds der DDR fließen oder „durch modisch bedingte Umarbeitung dem Export bzw. durch Neuanfertigung von Schmuckstücken aus vorhandenem Material dem Export zugeführt“, also verkauft werden. Allerdings sorgte der staatliche  Raubzug sogar innerhalb der Stasi für Kritik.

So hieß es Jahre später in einem Aktenvermerk: „Der Ursprung der einzelnen  (...) eingelieferten Gegenstände ist nicht nachvollziehbar und bekannt. Selbst in Fällen, wo frühere Eigentümer bei Einlieferung der Masse bekannt waren, ist durch die Zusammenfassung der einzelnen Gegenstände nach Verwendungszweck und Verwertungsmöglichkeit (...) dieser Nachweis nicht mehr zu führen“. So wie in Falle des Goldschmucks, der jetzt aus dem Stasi-Museum gestohlen wurde.