Die Bewohner im Gästehaus Moabit in der Berlichingenstraße 12 haben nach Ansicht des Bezirks Mitte weiterhin ein Wohnrecht in dem Gebäude. Das hat Mittes Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) betont.  Im Konflikt zwischen Eigentümern und Bewohnern hat sich von Dassel als Vermittler angeboten.

„Unser Ziel ist es, eine vernünftige Lösung für die obdachlosen Menschen zu finden“, sagt der Stadtrat. Bei dem Gästehaus handelt es sich um eine bisher privat betriebene Unterkunft für Obdachlose, von denen einige seit zwölf Jahren dort leben. Derzeit wohnen dort noch 22 Männer. Doch ihre Zukunft im Haus ist ungewiss. Denn die Eigentümer haben über ihre Hausverwaltung Berolina Grundbesitz GmbH dem bisherigen Betreiber der Unterkunft, dem Gästehaus Moabit,  gekündigt.

Die Männer sollten zum 31. Januar ausziehen. Die Hausverwaltung hat zudem bereits einen neuen Pachtvertrag mit dem Berliner Unternehmen Gikon Hostel & Wohnheim abgeschlossen hat – zu einem deutlich höheren Mietpreis von etwa 27.500 Euro pro Monat. Gikon will in dem Haus Flüchtlinge unterbringen.

Die Bewohner kritisieren daher, dass Profit im Vordergrund stehe und Obdachlose gegen Flüchtlinge ausgespielt werden. Das hatte für Schlagzeilen gesorgt.

Suche nach neuen Wohnungen

Die Bewohner wehren sich auch mit Hilfe des Bündnisses „Zwangsräumen verhindern“ dagegen, dass sie vor die Tür gesetzt werden. Angetrieben von den Aktivisten, wollen sie einen Verein gründen, um das Haus in Selbstverwaltung zu betreiben und zu sanieren. Unrealistisch sei das – sagen von Dassel und auch die Berolina.

Vielmehr liegt jetzt ein anderer Vorschlag des Stadtrats auf dem Tisch: Die Berolina soll für etwa 15 Bewohner neue Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen finden, in die dann jeweils zwei bis drei Leute als Wohngemeinschaft einziehen könnten. Gelingt das, könnte der Bezirk auch die anderen Obdachlosen unterbringen, sagt von Dassel zu: „Mit Maximalforderungen wird hier niemand durchkommen.“ Die Berolina will den Vorschlag jetzt mit den Eigentümern besprechen.

Damit die Obdachlosen bleiben können, will der Bezirk für März, möglicherweise auch April, Tagessätze von 22 Euro pro Person übernehmen und an die Berolina zahlen –  insgesamt mehr als 10.000 Euro. Das ist etwa die bisherige Miete, die das Gästehaus gezahlt hatte.